Ein einfacher Lebensplan

Autor: Zeugnis

Dieses Zeugnis schreibe ich für diejenigen, die leiden, sich aber davor fürchten, sich an Gott zu wenden und Ihm alles anzuvertrauen. Und ich wundere mich nicht darüber, weil ich weiß, dass dies gar nicht so einfach ist...

Wenn ich nun meine eigene Geschichte erzähle, dann würde ich mich zuerst am liebsten darüber beschweren, wie sehr ich missverstanden und verletzt worden bin; von meiner Frau, ihrem Geliebten, unseren Kindern, der eigenen Mutter und Schwester, meinen Schwiegereltern … ich könnte die Liste beliebig weiterführen. Ich bin sogar in der Lage dazu, ihre Schuld sehr vernünftig und überzeugend darzulegen – denn meine Ehefrau hat mich mehrmals betrogen, und schließlich unsere Kinder entführt und in das Haus ihres Geliebten gebracht. Die älteren Kinder wollen nichts mit mir zu tun haben, was auf die Manipulationen durch meine Frau und ihre Eltern zurückzuführen ist. Die Schwiegereltern wussten seit Langem über alles bescheid und akzeptierten es. Gemeinsam mit meiner Ehefrau bereiteten sie zwei Jahre lang ihren Umzug zu ihrem Liebhaber vor. Ich könnte noch weitere schlechte Taten aufzählen, die mir unverschuldet zugestoßen sind, doch dies hätte keinen Sinn. Man muss sie Gott überlassen, denn sein ist die Rache und Er wird für Vergeltung sorgen (vgl. Röm 12,19).

Ich muss mich mit mir selbst beschäftigen, mit meinen eigenen Sünden und Vergehen. Nur wenn ich an mir selbst arbeite und Gott erlaube, mich zu verändern, kann ich anderen helfen. Statt darauf zu beharren, das ich wie immer Recht habe, und mein Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten, muss ich auf den Knien lernen, demütig zu sein, zu vergeben und zu lieben …

Dies alles geschah in einer scheinbar anständigen, katholischen Familie. Im September 2011 zog meine Frau plötzlich aus unserem großen und komfortablen Haus aus. Zunächst zog sie zu ihren Eltern, ein paar Wochen später in das Haus ihres Liebhabers, mit dem sie ein Doppelleben führte, und mit dem sie zwei Jahre lang diesen Umzug geplant hatte (übrigens mit Einverständnis der älteren Kinder und der Schwiegereltern). Wie es meistens in solchen Fällen geschieht, erfährt der Ehemann als Letzter von allem …

Meine Frau beantragte die Scheidung, die ich jedoch unter Berufung auf das vor Gott geschlossene, nicht auflösbare Ehegelübde ablehnte. Der Scheidungsprozess dauert nun zwei Jahre, und ein Ende ist nicht abzusehen. Meine Frau hat auch die Ehe ihres Geliebten zerstört, der seine Frau und seinen Sohn für sie verlassen hat. Als ich von dem Ehebruch meiner Frau und ihren Plänen erfuhr, war ich so wütend, dass ich ihren Geliebten ermorden wollte. Zum Glück hat Gott mich davor bewahrt. Bei der Eucharistiefeier bat ich Gott, Er möge mich führen, denn ich wusste nicht, was ich tun sollte. Als ich mich dann alleine mit dem Geliebten meiner Frau traf, war dieser Mensch so überrascht und erschrocken, dass er alles leugnete. Ich kann keinen schlagen, der sich duckt … Trotz seiner Versicherungen zog meine Frau mit den Kindern ganz schnell bei ihm ein, weil sie Angst hatte, er würde ihr entgleiten (es stellte sich heraus, dass sie auch ihn belog und ihm gesagt hatte, sie wäre mir egal, die Scheidung wäre ganz schnell durch etc.). Und so leben die beiden nun schon über ein Jahr zusammen und geben anderen ein schlechtes Beispiel.

Meine Welt fiel vollkommen in sich zusammen. Obwohl ich ein Mann mit einem starken Charakter bin, in meinem Umfeld sehr bekannt bin, und beruflich, materiell und gesellschaftlich einen hohen Rang einnehme, wusste ich überhaupt nicht, was ich nun tun sollte. Als eine in der Öffentlichkeit stehende Person musste ich mich dem Skandal stellen, den meine Frau hervorgerufen hat … Die Demütigung, die ich dadurch erfuhr, erweckte in mir den Wunsch nach Vergeltung. Dazu wollte ich meine Position und meine Fähigkeiten ausnutzen. Hass und Eifersucht einerseits und Glaube und Gebet andererseits …

Ich habe gewählt, oder besser gesagt, ich erfuhr eine mir von anderen Menschen erbetene Gnade, und weihte alles Gott durch Maria. Es fiel mir leichter, weil ich Gott von jeher nahe gewesen war, zunächst als Messdiener, dann als Lektor, und nicht zuletzt als ein anständiger, gläubiger Mensch: als Chef, Ehemann, Vater, Sohn und Bruder. Niedergeschmettert durch Leiden bekannte ich meine Schuld,  und begann auf den Knien den Kampf um mich selbst, meine Ehefrau und unsere Kinder. Ich streckte meine Hand als Erster aus. Leider kam keine Reaktion darauf …

Ich beichtete, empfing die Heilige Kommunion und fing ein neues Leben als alleinstehender Mann an. Es war keine leichte Entscheidung, denn die ganze Zeit über fühle ich die Enttäuschung über das unverschuldete Leid, das mich und meine Kinder getroffen hat. Ich habe auch natürliche Rachegefühle und wünsche mir Vergeltung. Zusätzlich stellte sich heraus, dass ich nur kurz und banal beten konnte. Bisher hatte ich gedacht, dies würde ausreichen, aber nun fühlte ich, dass es nicht mehr so war. Ich quälte mich, weihte aber konsequent alle Gott durch Maria. Ich informierte meine Freunde und die beiden Pfarrer unserer Ortsgemeinden über das Vorgefallene und bekannte auch meine eigene Schuld daran. Langsam begann ich, mein Leben so zu verändern, wie Gott es wollte; ich arbeitete an meiner Heiligung und übergab mich ganz in Gottes Willen.

Äußerlich versuche ich, ganz normal weiterzuleben, ohne andere mit meinen Problemen zu belasten. Ich nehme mir Maria als Vorbild, die sagte: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“(Lk 1,38), und alles in ihrem Herzen bewahrte. Ich, ein Mann, der immer mit allem zurechtkam und die Welt nach eigenem Ermessen gestaltete, musste feststellen, dass ich in diesem Fall vollkommen hilflos war. Ich finde keine Formel dafür, was mit mir, meinen Kindern und meiner Frau geschehen soll. Dies kann nur Gott klären, und ich vertraue Ihm vollkommen.

Nichts geschieht plötzlich; ich erlebe keine spektakulären Wunder oder übernatürliche Geschehnisse, ich kämpfe weiterhin gegen die eigene Natur und die Versuchungen an. Doch die ganze Zeit über fühle ich, dass ich selbst und mein Leben durch die Kraft Gottes verändert werden. Am 25. März 2012, dem Festtag Mariä Verkündigung, kniete ich dank einer göttlichen Eingebung zum ersten Mal in meinem Leben abends nieder und betete den ganzen Rosenkranz, ich fing auch die Novene zur Muttergottes von  ompei an. Und – welch ein Wunder – ich tue dies nun täglich. Ich gehe auch täglich zur Kirche, empfange die Heilige Kommunion, bete den Barmherzigkeitsrosenkranz und lese die Bibel. Den ganzen Tag über bete ich auf verschiedene Arten, führe dabei aber ein ganz normales Leben.

Ich schaue nicht mehr fern und versuche, mich von Versuchungen fernzuhalten. Und obwohl mir eine Frau sehr fehlt (ich hätte wohl keine Schwierigkeiten, eine „Trösterin“ zu finden), fühle ich mich doch auf wunderbare Weise vor fleischlichen Versuchungen beschützt. Dies ist sicherlich auch auf meinen Verzicht auf den Fernseher und Filme zurückzuführen. Erst jetzt habe ich bemerkt, wie stark erotisiert die Welt der Bilder um uns herum ist, und wie sehr sie verführt. Auch ich wurde jahrelang dadurch versucht. Dies bewirkte, dass jede Frau entweder zu einer attraktiven sexuellen Versuchung für mich wurde oder gar nicht von mir beachtet wurde. Leider habe ich auf diese Weise auch meine geliebte, wunderschöne Frau behandelt – wie mein Eigentum, wie eine Trophäe …

Ich habe mir einen einfachen Plan für mein Leben zurechtgelegt – ich weihe alles Gott durch Maria im Gebet. Ihm übergebe ich meine Einsamkeit, alle meine Leiden und Schwächen. Jetzt erfülle ich meine Treue gegenüber dem Ehegelübde durch das Gebet um die Bekehrung und Erlösung meiner Frau und meiner Kinder. Für sie opfere ich mich auf und bitte um Vergebung für ihre und meine Sünden. Ich bitte auch, was mir jedoch am schwersten fällt, für ihren Liebhaber, seine Frau und meine Schwiegereltern.

Nun wird mir richtig bewusst, inwiefern der Mann und die Frau ein Leib sind, denn die Sünden meiner Frau tun mir quasi körperlich weh. Beim täglichen Kommunionempfang bitte ich den Herrn, auch in das Herz meiner Frau zu kommen, denn durch ein Leben in schwerer Sünde fehlt ihr die Gnade, die aus der Eucharistie fließt.

Ich bete, dass sich der Wille Gottes in meinem Leben, sowie im Leben meiner Frau und unserer Kinder erfüllt. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich möglicherweise bis an mein Lebensende einsam sein werde, aber meine Pflicht ist es, um die Erlösung für mich selbst und meine Familie zu kämpfen. Ich fühle, dass ich durch mein Leben und Verhalten anderen Menschen ein Beispiel für die Treue gegenüber dem Ehesakrament und den Glaubenswahrheiten geben soll; vor allem aber ein Beispiel des vollkommenen Vertrauens auf Gott, indem ich meine Berufung demütig erfülle.

Zum Schluss möchte ich noch hinzufügen, dass ich trotz meines Leidens, meines Unglücks und der Schwere der ganzen Situation noch niemals so ruhig und rein gewesen bin. Gott führt, beschützt und verwandelt mich langsam. Ich denke, dass Gott mir durch dieses Leid, welches Er zugelassen hat, eine Chance auf Erlösung gegeben hat – Er hat sie auch meiner Frau und meinen Kindern gegeben.

ein unnützer Diener 

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