Über Liebe und Begierde

Autor: Jan Bilewicz

Das Wort „Liebe“ ist wie ein Behälter, in den man alles mögliche hineinwirft: wahre Liebe und Illusionen wie beispielsweise Begierde, oberflächliches Verliebtsein, die Suche nach Vergnügen, die Flucht vor Einsamkeit usw.

Hallo! Im letzten Brief an Euch schrieb ich über gewisse Untersuchungen zur Sexualität der Einwohner von 19 verschiedenen Ländern. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen, wie Ihr euch wohl erinnert, brachten zutage, dass nur 20% der Männer mit ihrem Sexualleben zufrieden sind (ganz im Gegensatz zu dem, was die Massenmedien behaupten und zeigen). Ich überlegte, warum man in diesem Bereich so wenig Freude findet, wo es doch so viel geben sollte. Dies ist sogar der Wille Gottes! Meine erste Schlussfolgerung war, dass man im Zustand der heilig machenden Gnade sein und ein reines Herz haben muss (also frei im Bereich der Sexualität sein), damit der Geschlechtsverkehr wichtig, schön und befriedigend wird. Damit meine ich nicht eine Freiheit in dem Sinne, dass man alles tut, was einem einfällt (dies ist ein Weg zur Abhängigkeit), sondern im Gegenteil – frei sein von den Impulsen der Begierde. Jemand könnte und möchte sogar sexuell tätig werden, doch er kann sich enthalten, weil er weiß, dass dies in diesem Moment nicht richtig wäre. Er kann sich für das Gute anstatt für die Begierde entscheiden. Das ist Freiheit! Entweder lernt man diese Freiheit, oder man verfällt in eine größere oder kleinere Abhängigkeit. So sieht die Alternative aus. Entweder … oder. Lernen wir, frei zu sein, indem wir die voreheliche Reinheit einhalten.

Süchte und Abhängigkeiten machen nicht glücklich. Sie bringen vielleicht ein kurzweiliges Vergnügen, was meistens auch noch qualitativ minderwertig ist. Letztendlich erniedrigen, demütigen und degenerieren sie den Menschen. Ein Mann, der sexsüchtig ist, erlebt seine Geschlechtlichkeit höchst primitiv, und zwar: Er benutzt seine Partnerin, um seine Sucht zu stillen. Auf lange Zeit gesehen wird keiner von beiden durch solch einen „Liebesakt“ glücklich. Die Erleichterung, die man nach dem Stillen der Sucht empfindet, oder aber Freude und Glück – das sind doch zwei ganz unterschiedliche Dinge, nicht wahr? Ich habe im letzten Brief mehr darüber geschrieben.

Alles in einem Sack

Betrachten wir die ganze Sache von einem ganz anderen Standpunkt aus. Ich stelle die folgende These auf: Damit der Geschlechtsverkehr glücklich macht, muss es zwischen Mann und Frau eine tiefe Liebesbeziehung geben. Natürlich! Die meisten Menschen werden mir da zustimmen. Geschlechtsverkehr sollte aus Liebe erfolgen. Die Liebe sollte zuerst da sein. Und es sollte wahre Liebe sein. Und ist es so? … Selten, ganz selten! … Schau dir nochmals die obigen Untersuchungsergebnisse an. Warum sollte jemand mit einem Geschlechtsakt unzufrieden sein, der Liebe ausdrückt? Und doch ist so eine große Menge Menschen damit unzufrieden. Vielleicht lieben sie sich ja gar nicht, oder das, was sie als Liebe bezeichnen, ist in Wirklichkeit gar keine Liebe?

Und wirklich, das Wort „Liebe“ ist wie ein Behälter, in den man alles mögliche hineinwirft: wahre Liebe und Illusionen wie beispielsweise Begierde, oberflächliches Verliebtsein, die Suche nach Vergnügen, die Flucht vor Einsamkeit usw. Im Fernsehen und in den Zeitungen sagt man sogar, die Prostituierte würde mit ihrem Kunden „Liebe machen“, man „macht Liebe“ in einem pornografischen Film, selbst die Tiere „machen Liebe“ auf der Wiese … Da hat wohl jemand etwas falsch verstanden, denkst du nicht? Und solch eine Liebe machen sie dann auch mit ihren Partnern oder Partnerinnen. Wie ein Tier zu kopulieren, ist nicht dasselbe wie lieben! Worauf beruht also die wahre Liebe eines Mannes zu einer Frau? „Woher weiß ich denn“, wirst du nun fragen, „ob ich wirklich liebe?“ Eben, eine gute Frage: „Woher weiß ich, dass ich mit einer echten, reifen und glückbringenden Liebe liebe?“ … Ich komme gleich darauf zurück.

Wie man aus den vorigen Beispielen ersehen kann, verwechseln die medialen „Eliten“, Erzieher und Sex-uologen Liebe mit Begierde. Liebe und Begierde – haben die beiden Begriffe etwas gemeinsam? Der heilige Paulus schreibt: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde“ (Kol 3,5). An einer anderen Stelle schreibt er: „Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt“ (Gal 5,24). Das sind starke Worte: „töten“, „kreuzigen“ … Die Heilige Schrift ruft aber immer wieder zur Nächstenliebe auf. Derselbe Paulus schreibt: „Strebt nach der Liebe“ (1 Kor 14,1). Die Liebe zu einer Frau einerseits und die Begierde nach einer Frau andererseits haben nicht nur nichts miteinander zu tun, sie sind einander sogar entgegengesetzt. Die Liebe ist gut, konstruktiv, respektvoll, verantwortungsvoll, bewunderungswürdig, sie befähigt zum Opfer, um dem Geliebten etwas Gutes zu tun. Die Begierde ist destruktiv, weil sie die Frau zum Objekt herabwürdigt und sie nur als ein Werkzeug zum Stillen ebendieser Begierde benutzt, als ein Spielzeug, einen Gebrauchsgegenstand. Es ist die Begierde, die Männer zum Ehebruch, zur Vergewaltigung, zu Prostituierten etc. treibt. Dies sind einige der drastischen Folgen der Begierde.

Männer haben leider eine natürliche Neigung zur Begierde. Diese und andere schlechte Neigungen sind eine Folge der Erbsünde. Doch wir müssen diesen Neigungen nicht nachgeben. Wir haben die freie Wahl! Wählen wir doch das Gute. Die Begierde kann und muss man mithilfe der göttlichen Gnade „abtöten“, d.h. überwinden. Und das ist die Bewahrung der Reinheit. Man kann die Begierde nicht ein für allemal loswerden, denn wir können unsere Natur nicht endgültig verändern. Man kann sie aber durch die Gnade Gottes veredeln und sich einen Mechanismus zur Kontrolle der Begierde erarbeiten, d.h. die Tugend der Reinheit erwerben.

Jeder Mann steht vor der folgenden Wahl: Entweder lässt er es zu, dass die Begierde in seinem Herzen wächst – und schließlich seine Beziehungen zu Frauen dominiert – oder er lernt es, die Begierde zu überwinden. Auf diese Weise schafft er Raum für die Liebe, die nun die Chance erhält, zu wachsen und zu reifen. Zu einer reifen Liebe gelangt man durch die Bewahrung der Reinheit. Viele Menschen sind nicht in der Lage zu lieben, weil sie die voreheliche Reinheit nicht bewahrt haben. Man kann es auch so sagen: Weil sie die Reinheit nicht bewahrt haben, sind sie mehr oder weniger vom Sex abhängig und können deshalb weder richtig lieben und noch befriedigenden Geschlechtsverkehr haben. Wir sind wieder am Anfang angekommen.

Reife Liebe

„Wann ist die Liebe reif? Woher soll ich wissen, dass meine Liebe reif ist?“ Eine reife Liebe strebt danach, das eigene Leben mit dem Leben der geliebten Person für immer zu vereinen, in guten und in schlechten Tagen, wenn es gut läuft, und auch, wenn es schlecht läuft. Die wahre Liebe möchte auch eine Familie gründen.

Warst du einmal auf einer Hochzeit? Ich denke dabei an eine Hochzeit in der Kirche und nicht im Standesamt. Wenn du dabei warst, dann kannst du dich sicher daran erinnern, dass der Priester den Brautleuten ein paar Fragen gestellt hat. Unter anderem: „N., ich frage dich vor Gottes Angesicht:  Nimmst du deine Braut N. an als deine Frau und versprichst du, ihr die Treue zu halten in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, und sie zu lieben, zu achten und zu ehren, bis der Tod euch scheidet?“, „Wollt ihr die Kinder, die Gott euch schenkt, in Liebe annehmen?“ … Wahrhaft liebt derjenige, der diese Fragen aufrichtig mit „Ja, ich will“ beantwortet. Und wenn er verantwortungsvoll und aufrichtig das folgende Versprechen abgeben kann: „N., vor Gottes Angesicht nehme ich dich an als meine Frau.  Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen,  in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“

Wenn der Geschlechtsverkehr aus einer reifen und verantwortungsbewussten Liebe entspringt, dann ist er wie ein Fest oder eine geistige Feier, ein geheimnisvolles Erlebnis, der intimste Akt, in dem Mann und Frau sich gegenseitig hingeben. Wenn jedoch ein Junge sagt, er liebe ein Mädchen, dabei aber nicht die Absicht hat, für immer mit ihr zusammen zu sein, gar nicht an die Gründung einer Familie denkt und ihr auch nichts öffentlich versprechen möchte (vielleicht nur irgendetwas privat), dann sollte er zu seinem und ihrem Besten noch ein wenig Reife erlangen. Unbedingt in Reinheit. Ich wiederhole es noch einmal: Eine reife Liebe erlangt man nur durch die Bewahrung der Reinheit.

Verspiele die Liebe nicht!

Noch ein Gedanke dazu. Hast du dir jemals Gedanken darüber gemacht, welchen Zweck Pornografie eigentlich hat? Pornografie dient einzig und allein dazu, Begierde zu erwecken. Es geht also um das Gegenteil des „Abtötens“ und „Kreuzigens“, über das der heilige Paulus schreibt. Gott sagt das Eine und der Teufel das Andere. Man führt sogar Untersuchungen durch, um herauszufinden, was die Begierde am meisten entfacht, und dreht dann diesen Ergebnissen entsprechend pornografische Filme oder macht pornografische Fotos … Die Pornografie weckt die Begierde, also „tötet“ sie die Liebe.

Ähnlich wirken auch die Modediktatoren. In der heutigen Zeit ist ein „Modediktator“ ein Mensch, der sich nicht damit beschäftigt, wie man Frauen geschmackvoll anzieht, sondern wie man sie auszieht. Die Vertreterinnen des schönen Geschlechts müssen unbedingt „sexy“ sein, also die Begierde bei Männern erwecken. Und was passiert? Zunächst ziehen sie sich gerne aus, weil es eben so „Mode“ ist, und dann staunen sie darüber, dass sie wie Waren behandelt werden (Es wäre für sie besser, wenn sie durch schlichte Kleidung den Jungen helfen würden, die „Liebe zu erlangen“, doch sie wollen es nicht). Und so haben wir eine vortreffliche Illustration zu dem alten Sprichwort: „Wie man sich bettet, so schläft man.“

Selbstverständlich dürfen all diese Frauen aus dem Internet, und auch diese fast nackt auf der Straße herumlaufenden Mädchen (wenigstens im Sommer) sowie die überall verbreiteten Ratschläge der „Jugendaufklärer“, die sich auf das Motto „Tut alles, was ihr wollt“ beschränken, kein Alibi für uns darstellen, um uns gehen zu lassen und nicht mehr an unserer Einstellung zu arbeiten.

So viel für heute. Bis zum nächsten Mal. Tschüss! 

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