„…die Seele aber nicht töten können“ (Mt 10,28)

Autor: ks. Mieczysław Piotrowski TChr

Indem die Atheisten die Existenz Gottes negieren, verwerfen sie auch die Existenz einer unsterblichen menschlichen Seele. Auf diese Weise reduzieren sie die menschliche Person auf bloße Materie, und ihr Glück auf die uneingeschränkte Befriedigung ihrer körperlichen Instinkte und Bedürfnisse.

Die sowjetischen Atheisten spotteten über Menschen, die an die Existenz einer unsterblichen menschlichen Seele glaubten, indem sie behaupteten, es gäbe diese nicht, weil man sie auf dem Röntgenbild nicht sehen würde. Andere Atheisten waren davon überzeugt, die menschliche Seele sei eine materielle Energie, und man könne sie messen, aber es gibt auch solche Atheisten, für die die Seele nur ein Produkt des menschlichen Gehirns oder eine gewöhnliche Täuschung darstellt. Stellt man jedoch die Existenz der menschlichen Seele in Frage, dann führt dies zu einer Sichtweise auf den Menschen als einer Art vernunftbegabtem Tier, und in der Konsequenz zu einer schrecklichen Entstellung der Menschlichkeit durch Demoralisierung und Zerstörung der Kultur. Und so behauptete zum Beispiel Theodor Adorno (1903-1969), einer der führenden Schöpfer der Genderideologie, der Mensch sei nur ein Teil des Triebs, der sich in Frau und Mann aufspaltet. Aus dieser Konzeption wurde die Idee geboren, die seit vielen Jahren von den Bekennern des marxistischen Genderismus umgesetzt wird, nämlich alle Bereiche des menschlichen Lebens zu sexualisieren, inklusive der Kinder. Deswegen auch behauptete ein anderer Ideologe des Genderismus, Wilhelm Reich (1897-1957), man müsse jegliche Einschränkungen im sexuellen Bereich abschaffen und ein für alle Mal das „Bild und Gleichnis Gottes“ aus dem Menschen auslöschen. Er schrieb: „Zusammen mit der Befreiung vom Krampf der Genitalmuskeln sollte auch die Idee von Gott verschwinden“, er schlug eine „Religion des Orgasmus“ vor sowie eine „Sexualmystik“: „Die Liebe in den Lenden und die Süßigkeit der verzehrenden Wonnen während des Geschlechtsverkehrs: Das ist der wahre Gott“ (W. Reich, L´assassinio di Cristo, Milano 1972, S. 229; nach: Marzena Nykiel, Pułapka Gender [dt.: Die Gender-Falle], S. 66-67).

Das Geheimnis der menschlichen Person

Die Ablehnung der Existenz einer unsterblichen menschlichen Seele verstößt gegen die menschliche Erkenntnislogik. Woher wissen wir von ihrer Existenz? Wenn wir von der Seele des Menschen sprechen, dann berühren wir das Geheimnis der menschlichen Person, mit ihrem Bewusstsein über sich selbst, ihrer Freiheit, ihrem Denken, ihrer Liebe, Vorstellungskraft und Kreativität. Unter allen Geschöpfen hat nur der Mensch einen Verstand, einen freien Willen, ein Selbstbewusstsein, die Fähigkeit zum Nachdenken über sich selbst. Mit seinen Gedanken kann er in den Makro- und den Mikrokosmos vordringen, erkennen, Wissenschaft betreiben, verstehen, beurteilen, bewerten, abstrakte Begriffe schaffen. Ein augenfälliges Zeichen der Existenz eines geistigen Elements im Menschen ist auch unsere Fähigkeit zur Kommunikation mithilfe der Sprache, mit einer Grammatik und einer Logik des Denkens (was es in der Welt der Tiere überhaupt nicht gibt). Mehr noch, der Mensch macht unaufhörlich Fortschritte in der Wissenschaft, in der Entwicklung der Zivilisation (vom Rechenschieber zum Computer, vom Bogen zum Raumschiff), während die Tiere immer das Gleiche tun, und dies auf die immer gleiche Art und Weise.

Es ist die geistige, unsterbliche Seele, die den Menschen zu einem vernunftbegabten und freien Wesen macht, das ein Selbstbewusstsein hat, das für Wahrheit, Liebe, das Gute und das Schöne offen ist, das ein Gewissen und ein Gefühl für Moral hat, dank dem es das Gute vom Bösen unterscheiden kann, an Gott glauben oder nicht glauben kann. All diese Zeichen des geistigen Lebens fehlen im Dasein der Tiere, aus dem einfachen Grund, weil sie keine geistige Seele haben. Die Seele als geistige Wirklichkeit überschreitet die materielle Welt und ist von ihrer Natur her unsterblich, denn Gott erhält sie unablässig im Sein.

Lesen Sie mehr in Liebt einander! 4/2015

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