Die Wahrheit über die Auferstehung Christi

Autor: Pater Mieczysław Piotrowski SChr

Die Berichte über die Auferstehung Jesu in den Evangelien und in den Briefen des hl. Paulus ergänzen sich gegenseitig und widersprechen sich nicht. In Anlehnung an diese Schilderungen erhalten wir eine authentische Überlieferung der Wahrheit über die Auferstehung Christi und Seine Begegnungen mit den Aposteln und Jüngern.

Die Überlieferung der Wahrheit über die Auferstehung Christi ist klar und einfach: Jesus starb unter schrecklichen Leiden am Kreuz, wurde ins Grab gelegt und ist am dritten Tag auferstanden. Nach Seiner Auferstehung erschien Er vielen Menschen, die zu Zeugen davon wurden, dass Er lebt.

Zeugen des Auferstandenen

Die Apostel und Jünger Jesu waren zunächst Zeugen seines grausamen Leidens und Todes am Kreuz. Dies war eine schockierende Erfahrung für sie, die bewirkte, dass sie jegliche Hoffnung verloren. Vor dem Begräbnis wurde der Leib Jesu einbalsamiert und in Leinentücher gewickelt. Wir wissen, dass zum Einbalsamieren etwa 30 kg Myrrhe und Aloe verwendet wurden (Joh 19,29-40). Danach wurde der wie ein Kokon eingewickelte Leib Jesu in ein neues, in Felsen gehauenes Grab gelegt (Mt 27,60). Der Eingang zum Grab Jesu wurde mit einem mächtigen Stein verschlossen (Mk 16,4), der an die zwei Tonnen gewogen haben dürfte, und dann mit dem Siegel der römischen Machthaber verplombt. Zusätzlich sandte Pilatus auf Wunsch der jüdischen Anführer einen Trupp Soldaten, damit sie das Grab bewachten.

Die außergewöhnliche, übernatürliche Auferstehung geschah mitten in der Nacht; niemand sah, wie sie passierte. Der mächtige Felsen wurde weggeschoben, die Siegel gebrochen, und die entsetzten Soldaten flohen. Als am frühen Morgen des ersten Wochentages die Frauen am Grab ankamen, sahen sie, dass das Grab leer war. Erschrocken machten sie kehrt und berichteten alles den Aposteln. Petrus und Johannes liefen sofort zum Grab, in dem sie aber nur die Grabtücher Jesu erblickten. Als Johannes sah, dass die Leinentücher unversehrt, aber innen leer waren, glaubte er bereits an die Auferstehung Jesu. Selbst schrieb er viele Jahre später darüber: „Er sah und glaubte“ (Joh 20,8). Die unversehrte und gleichzeitig flache Form der Tücher ließ den logischen Schluss zu: Niemand hat den Leib Jesu dort herausgeholt, sondern er musste auf geheimnisvolle Weise das ihn umschließende Linnen durchdrungen haben, und dies konnte nur im Moment der Auferstehung geschehen sein. Auf dem Grabtuch, das bis in unsere Zeit erhalten geblieben ist, hinterließ Jesus einen Abdruck Seines ganzen Leibes. Es ist dies ein fotografisches Negativ; der Abdruck ist dreidimensional und– so sagen die Wissenschaftler – durch die Ausstrahlung einer gewaltigen Energie aus dem Inneren entstanden. Auch die Blutgerinnsel auf dem Grabtuch sind intakt, es gibt also keinerlei Spuren eines Abreißens des Körpers vom Leinentuch. Der Körper muss das ihn umgebende Grabtuch durchdrungen haben.

Die im Dezember 2011 abgeschlossenen wissenschaftlichen Untersuchungen, die fünf Jahre lang im Atomforschungszentrum in Frascati bei Rom durchgeführt wurden, haben ergeben, dass die moderne Wissenschaft nicht imstande ist, ein solches Abbild zu schaffen, wie es sich auf dem Grabtuch von Turin befindet. Die Forscher errechneten, dass der geheimnisvolle Energieblitz, der zur Entstehung des Bildes auf dem Grabtuch geführt hat, eine Kraft von nahezu 34 Billionen Watt ultravioletter Vakuumstrahlung gehabt haben muss. Beim heutigen Wissensstand und den gegenwärtigen technischen Möglichkeiten verfügen wir über Anlagen, die eine Strahlung von nur einigen Milliarden Watt ultravioletter Vakuumstrahlung erzeugen können. Im Moment der Auferstehung hinterließ Jesus auch ein Abbild seines auferstehenden Antlitzes auf dem Byssustuch, das im Grab auf Seinen Kopf gelegt worden war. Dieses wunderbare Abbild des Antlitzes Christi befindet sich, wie wir bereits früher berichtet haben, in Manopello (vgl. „Liebt einander!“ Nr. 2-2008).

Der auferstandene Herr ist nur seinen Freunden erschienen. Er ist nicht den Peinigern erschienen, die Ihn zum Tode verurteilt hatten, noch der Menge, die vor Pilatus geschrien hatte, Er solle gekreuzigt werden. Jesus wollte niemanden demütigen. Er offenbarte sich so, dass die Menschen guten Willens sich davon überzeugen konnten, dass Er in demselben Körper lebte, der nach dem Tod in Leinentücher gewickelt und ins Grab gelegt worden war. Wenn Christus erscheint, zwingt Er niemanden, sondern Er appelliert nur an den freien Willen jedes Menschen, an die Tatsache Seiner Auferstehung zu glauben, das Geschenk Seiner barmherzigen Liebe anzunehmen, die alle Sünden hinweg nimmt, und definitiv mit allem Bösen zu brechen.

Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus war für die Apostel und Jünger etwas absolut Unerwartetes. Sie waren geschockt, als sie Ihn nach der Auferstehung sahen, aber sie überzeugten sich schnell davon, dass dies der gleiche Jesus war, den man gekreuzigt und ins Grab gelegt hatte. Als sie mit Ihm sprachen, Ihn berührten, mit Ihm aßen, als Er trotz verschlossener Türen zu ihnen hereinkam, als Er erschien und verschwand, da erhielten sie die Gewissheit, dass dies immer noch ihr Meister und Lehrer ist, aber bereits in verherrlichtem Leibe, in einer anderen Dimension der Wirklichkeit; dass Er nicht der irdischen Welt angehört und ein Leben lebt, das nicht dem Tod unterworfen ist.

„Seine Auferstehung bestätigt die wahre Gottheit Jesu. Er hatte gesagt: »Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, dass Ich bin« (Joh 8,28). Die Auferstehung des Gekreuzigten beweist, dass er wirklich der »Ich bin«, der Sohn Gottes, ja Gott selber ist“ (KKK 653). Erst im Umgang mit dem auferstandenen  Jesus begriffen die Apostel und Jünger, dass Er Gott ist, der verheißene Messias, in dem sich alle messianischen Verheißungen des Alten Testaments erfüllten. Deshalb verkündeten sie mit außergewöhnlicher Kraft und Mut und trotz grausamer Verfolgungen die freudige Wahrheit von der Auferstehung Christi. Sie lehrten, dass Jesus wahrer Gott ist, der in Seinem Leiden,  Seinem Tod und Seiner Auferstehung unsere Erlösung vollzogen hat. Jene, die dem auferstandenen Jesus begegnet waren, waren sich der Tatsache seiner dermaßen sicher, dass kaum einer zögerte, für die Verteidigung dieser Wahrheit den Märtyrertod zu sterben. Elf Apostel haben ihr Leben für die Verkündigung dieser Wahrheit hingegeben. Sie starben den Märtyrertod durch Kreuzigung, wie etwa Petrus, Andreas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Philippus, Simon und Bartholomäus. Matthäus und Jakobus, der Sohn des Zebedäus, hingegen wurden durch das Schwert hingerichtet. Thomas wurde von einer Lanze durchbohrt, Judas Thaddäus mit Pfeil und Bogen erschossen, und Jakobus, ein Cousin Jesu, wurde gesteinigt. Nur der Apostel Johannes starb eines natürlichen Todes in der Verbannung.

Es ist ein unfassbares Phänomen der Menschheitsgeschichte: Trotz dauernder blutiger Verfolgungen verbreitete sich das Christentum mit so unerhörter Kraft unter allen Gesellschaftsschichten, dass es im Jahre 313 zur offiziell von den römischen Machthabern anerkannten Religion wurde.

Was ist die Auferstehung Jesu?

Durch seine Auferstehung offenbarte Jesus, dass Er nicht nur der durch Jahrhunderte hindurch angekündigte und von den Juden erwartete Messias ist, sondern auch, dass Er wahrer Gott ist, der Sohn Gottes, der „für uns Menschen und zu unserem Heil vom Himmel gekommen“ ist, „Fleisch angenommen“ hat „durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria“ und „Mensch geworden“ ist. Als wahrer Mensch und wahrer Gott hat Er alle Sünden und Leiden aus der Geschichte der gesamten Menschheit hinweggenommen. In Seinem Leiden, Seinem Tod und Seiner Auferstehung hat Er alles Böse besiegt und dem menschlichen Leben, Leiden und Tod einen endgültigen Sinn verliehen.

Durch die Auferstehung Christi wird das menschliche Leben auf Erden zu einem Weg zum Himmel, nämlich immer dann, wenn der Mensch sich selbst ganz Christus anvertraut und vollständig mit jedweder Sünde bricht. Der auferstandene Christus eröffnet jedem Menschen die Perspektive des ewigen Lebens, der Teilnahme an der Natur Gottes selbst, Er bietet also eine völlig neue Art der Zukunft an. Der hl. Petrus schreibt: „Durch sie [seine göttliche Macht] wurden uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt, damit ihr der verderblichen Begierde, die in der Welt herrscht, entflieht und an der göttlichen Natur Anteil erhaltet“ (2 Petr 1,4).

Im Augenblick der Auferstehung wurde die Menschheit Jesu, also Sein wahrhaft menschlicher Leib und Seine menschliche Seele, die im Tod getrennt worden waren, wieder vereint, und die Menschheit Jesu trat in eine vollkommen neue, unsterbliche Dimension des Daseins ein. Die Zeugen, die dem Auferstandenen begegnet sind, waren sich darüber im Klaren, dass dies eine gänzlich neue Realität ist, die sie absolut übersteigt. Die Auferstehung ist nicht die Wiederbelebung einer Leiche, so wie dies im Fall des Lazarus gewesen war (Joh 11,1-44), oder bei der Tochter des Jairus (Mk 5,25-43), und auch bei dem Jüngling aus Naim (Lk 7,11- 7). Das Leben des Lazarus und der anderen Menschen, die von Jesus auferweckt wurden, endete eines Tages definitiv mit dem Tod. Das Leben nach der Auferstehung hingegen dauert ewig an. Nach Seiner Auferstehung hat Jesus einen echten Leib, „Fleisch und Blut“ (s. Lk 24,36-43), aber dieser Leib ist verherrlicht und unterliegt nicht dem Gesetz des Todes. Der auferstandene Christus in Seinem verherrlichten Leib ist außerhalb von Raum und Zeit, Er unterliegt nicht den Beschränkungen der Materie, Er ist allgegenwärtig und für alle Menschen als einzige Quelle der Göttlichen Barmherzigkeit und des ewigen Lebens erreichbar. Der auferstandene Christus eröffnet jedem Menschen eine wunderbare Zukunft, gibt uns allen die Möglichkeit, an Seiner Auferstehung teilzuhaben, an Seinem endgültigen Sieg über den Satan, die Sünde und den Tod.

„Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen“ (1 Kor 15,20), so schreibt der hl. Paulus. Die Auferstehung Christi ist also ein Ereignis, das jeden Menschen betrifft, denn es eröffnet allen die Möglichkeit, die Vergebung der Sünden, das ewige Leben und die Auferstehung des Leibes zu erlangen. „Jesus bindet den Glauben an die Auferstehung an Seine Person: »Ich bin die Auferstehung und das Leben« (Joh 11,25). Jesus selbst wird am Letzten Tag jene auferwecken, die an ihn geglaubt [Joh 5,24-25], die seinen Leib gegessen und sein Blut getrunken haben (Joh 6,54)“ (KKK 994).

Wenn du glaubst, wirst du erlöst werden

Die Auferstehung Christi ist eine Tatsache, durch die die Gemeinschaft der Kirche entstanden ist; sie ist das Fundament, aus dem das Bauwerk des ganzen christlichen Glaubens hervorgeht. Jesus Christus ist auferstanden und ist bei uns „alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20), in der Gemeinschaft Seiner Kirche, die Er selbst ins Dasein rief. Es ist der auferstandene Jesus, der die Gemeinschaft der Katholischen Kirche schafft, denn Er selbst ist das „Haupt […] über die Kirche […]. Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht“ (Eph 1,22-23). Die Katholische Kirche ist also der größte Schatz für die ganze Menschheit. Kirche, das ist Christus und das sind wir alle: Sünder, die Er, der auferstandene Herr, von den Fesseln der Sünde befreit und heiligt, also reif macht für die Liebe und den Himmel.

„Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: »Jesus ist der Herr« und in deinem Herzen glaubst: »Gott hat ihn von den Toten auferweckt«, so wirst du gerettet werden“ (Röm 10,9). Jeder, der an Christus glaubt und Ihm vertraut, erfährt die Macht Seiner Auferstehung in seinem Leben. Er erfährt das Wunder der Vergebung aller seiner Sünden und erhält das Geschenk des ewigen Lebens in den Sakramenten der Buße und der Eucharistie. Er wird zu einem neuen Geschöpf in Christus (2 Kor 5,17).

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