Ich vergiftete mein Leben

Autor: Zeugnis

Ich möchte alle vor Pornografie warnen, die in versteckter, harmloser Form immer öfter in unserem Leben anwesend ist, und das nicht nur im Internet, Fernsehen oder in Zeitungen, sondern immer mehr auch in Musikvideos, in der Werbung, in Geschäften etc.

Ich studiere und kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zum ersten Mal mein Leben durch Pornografie vergiftete. Am Anfang sah ich in solchen Filmen oder Bildern nichts Schlimmes, deshalb beichtete ich es auch nicht. Bei meinen Freunden galten solche Filme sogar als eine Art „Bildung in diesen Dingen“, und Selbstbefriedigung war nichts anderes als das bewusste Erkennen des eigenen Körpers. Ich erinnere mich daran, dass auch eine meiner Lehrerinnen im Gymnasium solche Ansichten vertrat, was meine Freunde nur darin bestätigte, dass Masturbation nichts Schlechtes sei.

Die Jahre gingen vorbei, und ich steckte in diesem Sumpf, suchte nach immer stärkeren Formen der Pornografie, verlangte nach intensiveren Erfahrungen. Als ich irgendwann erfuhr, dass dies eine schwere Sünde ist und die Folgen dieser in meinem Leben entdeckte, ging ich zum ersten Mal damit zur Beichte. Danach fühlte ich einen großen Frieden und Freude, aber ich wusste nicht, was für ein langer und steiniger Weg noch vor mir lag … Obwohl ich mich wirklich bessern und mit dieser Sünde aufhören wollte, erlitt ich immer wieder Niederlagen, nach denen ich sofort zu Jesus eilte, der im Beichtstuhl auf mich wartete. Manchmal gelang es mir, einige Wochen oder Monate in Reinheit zu leben, manchmal aber nur einige Tage. Jetzt weiß ich, dass ich in diesem Kampf zu sehr auf mich selbst zählte, denn ich dachte, dass „ich doch damit irgendwie zurechtkäme“. Ich mied die Gelegenheiten zur Sünde leider nicht richtig- wegen meiner Arbeit saß ich oft lange am PC und machte mir vor, ich würde schon klar kommen, wenn die Versuchung auftaucht.

In meinem Leben war vieles durcheinander, und ich bemühte mich nicht darum, Ordnung zu schaffen, sondern konzentrierte alle meine Kräfte ganz auf den Kampf gegen die Sucht. Ich war davon überzeugt, dass es nur eines starken Willens bedürfe, so wie bei der Zigarettensucht. Mein Stolz und Egoismus wurden mir zum Verhängnis, und ich sündigte immer öfter, obwohl ich es doch nicht wollte. Es widerte mich an, ich hatte schreckliche Gewissensbisse, und in meinem Herzen waren Leere, Reue und Leid. Mit jedem weiteren Fall spürte ich, dass ich die Kontrolle über mich verlor und dass das, was ich tat, nichts anderes als eine Sucht war. Ich suchte nach Hilfe und erfuhr von der Bewegung der Reinen Herzen, in die ich eintrat. Kurz danach erhielt ich auch Eure Zeitschrift. Die Texte veränderten mein Herz. Ich weiß, dass in diesem Augenblick der Weg meiner langsamen, aber tiefen Bekehrung und der Lossagung von der Sünde begann.

Ich dachte damals, dass es mir nun leichter fallen würde und ich dieses Problem in Kürze los wäre. Doch der Satan dachte gar nicht daran loszulassen – ich hatte blasphemische Gedanken, Bilder und Zwangshandlungen. Wenn Spannungen auftauchten, konnte ich diese nicht anders loswerden als nur mithilfe von Pornografie, nach der ich wie nach einer Droge griff, um mich für einen Augenblick zu entspannen und alles zu vergessen, obwohl es nachher nur noch schlimmer war. Ich fühlte, wie mich die Pornografie von innen her zerstörte … Ich wusste aber, dass Jesus im Beichtsakrament auf mich wartete und mich liebte. Er zählte nicht, wie oft ich sündigte, sondern wartete auf mich und streckte mir Seine Hand entgegen, um mich aufzuheben. Er versorgte meine Wunden, gab mir Hoffnung, als ich keine mehr hatte.

Denkt daran, dass solange wir kämpfen, wir für Christus Sieger sind. Er weiß doch, dass wir die Sünde los werden wollen. Der Weg aus der Sucht kann jedoch sehr lang und schmerzlich sein, abhängig davon, wie tief wir in der Sünde stecken. Keiner sollte sich entmutigen lassen und aufgeben, sondern wie der verlorene Sohn immer wieder zum Vater zurückkehren.

Der Teufel möchte, dass wir aufhören zu beichten, dass wir daran zweifeln, ob uns die Beichte überhaupt hilft, und uns unwürdig fühlen, dieses Sakrament zu empfangen. In einem bestimmten Augenblick sah ich keinen Ausweg mehr aus meiner Pornografieabhängigkeit. Es kam vor, dass ich mich wie ein Alkoholiker benahm. Vor dem Anschauen hatte ich eine Art „Delirium“, seltsame Zitteranfälle. Ich konnte nicht auf eine Frau blicken, ohne lüsterne Gedanken zu haben. Ich verlor die Kontrolle über mich und mein Leben, vergeudete meine Kraft und Zeit, nur um diese Bilder anzuschauen. Ich erinnere mich noch an den Tag, als ich morgens aufwachte und keine Kraft hatte, aufzustehen und in die Uni zu fahren – ich war wie gelähmt … Dann tauchten Selbstmordgedanken auf, die mich richtig entsetzten, denn ich hatte doch jemanden, für den ich leben wollte. Jetzt weiß ich, dass der Satan mich so quälte, weil er mich um jeden Preis zerstören wollte. Er wollte, dass ich an dem Sinn der Beichte zweifelte (ich sündigte manchmal sehr kurz nach der Beichte) und auch den Kampf und die Möglichkeit, dass ich irgendwann wieder ganz normal würde leben können, anzweifelte. Ich hatte Angst, dass ich jemanden verletzen könnte, ich hatte Angst vor mir selber und konnte mich nicht damit abfinden, dass ich so war, wie ich war. Es fiel mir sogar schwer, in die Kirche zu gehen oder zu beten. Ich wusste jedoch, dass dies meine einzige Rettung war; ich war verzweifelt und ging immer wieder zur Beichte. Manchmal wurde ich dort missverstanden, einige Male fühlte ich weiterhin eine innere Leere und empfand keine Vergebung. Das war schrecklich, denn ich glaubte ja daran, dass Jesus mir damals vergeben hatte, aber ich selbst konnte mir das alles nicht verzeihen. Ich verdammte mich immer wieder selber und hatte Selbstmitleid, dann wiederum verfiel ich in Perfektionismus und Skrupel. Das war eine Wüste, in der ich mich befinden musste, damit dann der Prozess meiner Heilung schrittweise in Gang kommen konnte.

Jetzt bedanke ich mich bei Jesus für jedes Kreuz und Leid, für jede Erprobung meines Glaubens. Ohne dies alles hätte ich nichts verstanden. Manchmal muss man ganz tief fallen, um wieder aufstehen zu können. Als ich dachte, ich wäre ganz allein, war Jesus mir ganz nah, Er verließ mich nicht mal für eine Sekunde, Er trug mich auf Seinen Schultern, als mich die Kräfte verließen, und rettete mein Leben. Ich lebe nun seit acht Monaten in Reinheit und bin dankbar für jeden Tag, den ich so leben darf. Man kann dies jedoch nicht aus eigenen Kräften erlangen, sondern nur mit Christus. Ich werde niemals sagen, dass dieses Problem mich nicht mehr betrifft. Ich bin schwach und übergebe mein ganzes Elend Jesus. Wenn sich jemand aus der Pornografieabhängigkeit befreien möchte, dann muss er unbedingt sein ganzes Leben ändern, und vor allem die Umstände meiden, die ihm diese Sucht erst ermöglicht haben.

Erst während der Sommerexerzitien der Bewegung der Reinen Herzen, zu denen mich Jesus vor einem Jahr eingeladen hat, habe ich verstanden, dass es nicht reicht, wenn man lediglich den Willen hat, in Reinheit zu leben, man muss vor allem jeden Tag hart an sich selber arbeiten. Derzeit habe ich an meinem PC eine Blockade, die pornografische Seiten herausfiltert, und versuche, so wenig Zeit wie möglich vor dem Bildschirm zu verbringen. Ich meide auch Zeitschriftenstände und schaue mir spät abends keine Fernsehprogramme an. Auch ein Tagesplan ist notwendig, der Zeit für das Gebet, die Arbeit und die Erholung vorsieht. Wenn wir viele Aufgaben haben, die uns in Anspruch nehmen, eine Sportart ausüben, dann werden wir keine Zeit und Gelegenheit zur Sünde haben, und unser Körper wird jeden Abend müde von den Strapazen des Tages sein. Sport formt auch ausgezeichnet den Charakter und die Selbstdisziplin. Es lohnt sich, die Internetnutzung auf das Notwendigste zu beschränken und diese Zeit viel lieber mit Bekannten oder bei sportlichen Aktivitäten zu verbringen.

Der häufige Kommunionempfang ist jedoch der größte Schatz und das beste Heilmittel für jede Schwäche und Verwundung. Wem es möglich sein sollte, dem lege ich die tägliche Eucharistiefeier ans Herz, eine Stunde, die man sich jeden Tag extra für Jesus frei hält, der durch dieses Sakrament unsere Wunden und Gedanken heilt und uns lehrt, in Reinheit zu leben.

Es war mir gar nicht bewusst gewesen, wie viele an sich belanglose Tätigkeiten und Gewohnheiten zu meinen Niederlagen geführt haben (Computerspiele, sinnloses Herumsitzen am PC, Alkohol, Abgrenzung von anderen Menschen, Einsamkeit, Erschöpfung und schlaflose Nächte).

Jesus möchte jeder und jedem von uns helfen und gibt uns Seine Liebe und Barmherzigkeit ganz umsonst. Er erwartet jedoch von uns die Bereitschaft zur Mitarbeit, konkrete Beschlüsse und Entscheidungen, damit wir alles meiden, was uns von Ihm entfernt und zur Sünde führt. Keiner sollte aufgeben, auch wenn der Weg schwierig ist und keine Lösung in Sicht zu sein scheint. Bleibt bei Jesus, vertraut Ihm Euer ganzes Leben und alle Eure Probleme an. Er wird Euch an Sein Herz drücken und Euch den Weg weisen.

Christus ist unser Freund. Er möchte, dass wir Ihm alles sagen, Ihn um Rat fragen und jeden Tag in unser Leben einladen. Vertraut Ihm und übergebt Euch Jesus vollkommen in der Klinik der Bewegung der Reinen Herzen.

Ich weiß, dass ich aufgrund all dessen, was ich erlebt habe, in der Lage bin, andere zu verstehen und ihnen zu helfen, ihnen etwas zu raten oder einfach mit ihnen zu reden. Christus kann auch aus dem größten Sumpf und Leid etwas Gutes hervorbringen, was wir allerdings erst nach einiger Zeit erkennen. Er liebt uns so, wie wir sind, und braucht uns, damit wir Zeugnis ablegen und Sein Evangelium verkünden. „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit“ (2. Brief an die Korinther 12, 9). Ehre sei dem Herrn!

 

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