„Scheidung ist das Tor zur Hölle“

Autor: Zeugnis

Ich bin das typische Beispiel eines Menschen mit akademischer Ausbildung, der einen verantwortungsvollen Posten inne hat, aber nicht in der Lage ist, kluge Entscheidungen im Leben zu treffen. Ausbildung und wahre Weisheit sind zwei verschiedene Dinge. Jetzt weiß ich, dass ein weise gelebtes Leben darin besteht, dass man Gott in die Mitte dieses Lebens stellt. Das war aber nicht immer so …

Den Anfang meiner Ehe habe ich bis vor Kurzem noch als eine „verhängnisvolle Verzauberung“ bezeichnet. Ein paar Jahre lang waren wir ein eher durchschnittliches Ehepaar: weder schlecht noch gut. Ich weiß noch, dass mir die Erste Heilige Kommunion meines Sohnes sehr nahe ging. Dann jedoch wurde es immer schlechter. Wir entfernten uns immer mehr voneinander … Ich kehrte für viele Jahre der Kirche den Rücken zu, und mein Mann trank immer öfter und interessierte sich nicht mehr für seine Familie.

Im Jahre 1989 verunglückte mein Schwager, und dies war für mich ein Wendepunkt. Ich fing an, über den Sinn des menschlichen Lebens nachzudenken. Damals konnte mir niemand eine Antwort darauf geben, und weil das Leben keine Leere duldet, begann ich, Antworten in östlichen Religionen zu suchen. Ich interessierte mich für positives Denken und versuchte, die Wirklichkeit nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Ich war in indischen Tempeln und nahm an Feierlichkeiten der Hare Krishnas teil und lud diese Menschen auch zu mir nach Hause ein. Die Andersartigkeit dieser Religion und Kultur faszinierte mich. Ich las sehr viel darüber. Ich erinnere mich, dass ich mich ändern wollte, ein ruhiger, beherrschter, guter, sanfter Mensch werden wollte. Aber es geschah nichts … Es blieb beim „Wollen“ und ich änderte mich nicht. Ich reagierte sehr emotional. Die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit ist in jeder Religion sehr wichtig. Nur die Frage nach dem „Wie“ blieb für mich ohne Antwort. Ich glaubte an Gott, sehnte mich nach Ihm, aber Er schien mir damals so weit entfernt, unerreichbar.

In unserer Familie wurde es immer schlimmer. Mein Mann machte eine Menge Schulden, seine Firma war bankrott, er trank immer mehr … Ich erlebte die Hölle einer Alkoholiker-Ehefrau: Auseinandersetzungen, Polizeiinterventionen, Angst, finanzielle Probleme und das Bewusstsein, dass unser Kind unter dem Ganzen zu leiden hat …

Alle redeten mir zu, diese Ehe zu beenden. Ich beantragte also die Scheidung, weil ich darin die Chance auf ein normales Leben für mich und meinen Sohn erblickte.

Es ging eigentlich alles von meinem Sohn Peter aus. Im November 2005 sollte er Taufpate werden. Ich ging deshalb zu unserem Pfarrer und bekam dort einige bittere Worte zu hören. Der Pfarrer machte mich darauf aufmerksam, dass ich doch gar nicht in die Kirche gehen würde, dass wir keinen Kontakt zur Gemeinde und zum Pfarrer halten würden und dass man uns noch niemals gemeinsam in der Kirche gesehen hätte … Dies war die Wahrheit. Es tat weh … Es war zwar dumm, aber ich beschloss, mich an unserem Pfarrer zu rächen und nun täglich in die Kirche zu gehen, damit er schnell genug von mir bekäme. Und so fing es an …

Die Teilnahme an der Heiligen Messfeier wurde für mich zu etwas Ungewöhnlichem, einem überirdischen Mysterium, einer Berührung zwischen Himmel und Erde. Der Glaube beginnt mit dem Zuhören – und ich hörte, hörte und hörte … Ich erlangte meine „Sehkraft“ und mein „Hörvermögen“ wieder. Das Wort, das ich in der Kirche hörte, brachte Freude, Hoffnung, Liebe … Es war eine Wohltat für meine verletzte Seele. Ich hörte, dass Gott mich liebt, dass Er mich die ganze Zeit über geliebt hat, dass Er nur mein Bestes will, mein Glück, dass Er mir vergibt – wenn ich nur aufhöre, zu sündigen. Ich nahm mir vor, das ganze Jahr über an der täglichen Eucharistiefeier teilzunehmen, um sich wieder an alles zu erinnern, alles zu ordnen.

Eines weiß ich ganz sicher – ich hatte den aufrichtigen Wunsch, nach einem christlichen Leben. Es gab gerade eine Reihe von Katechesen des Neokatechumenats in unserer Gemeinde unter dem Titel: „Wenn Deine Beziehung auseinanderbricht, wenn Du Christus kennenlernen möchtest – komm“. Ich wollte hin.

Die Berührung mit dem lebendigen Wort Gottes machte mir bewusst, was der Glaube wirklich ist, und so konnte ich den Tod meiner Mutter ruhig hinnehmen. Das Zusammensein mit den Menschen aus der Gemeinschaft gab mir Kraft dazu, die Scheidung zurückzunehmen und meinem Mann zu verzeihen. Als ich am Anfang die Worte von Mark, unserem Katechet, hörte, dass ich verzeihen und auch meinen Mann um Verzeihung bitten sollte, dachte ich, er wäre nicht ganz normal. Ich dachte mir: „Was weiß er denn schon über mich und meine Probleme?“ Ich war davon überzeugt, dass mein Mann mich um Verzeihung bitten sollte, und das auf den Knien. Aber irgendetwas drängte mich dazu, mich ganz fallen zu lassen und zu vertrauen; grenzenlos und bis zum Ende.

Es wurde mir bewusst, dass auch ich nicht ohne Schuld bin. Oft hatte ich meinen Mann mit Worten, dem Mangel an Zärtlichkeit und Empathie verletzt. Ich verstand endlich, was es bedeutet, zu erlauben, dass „Christus in meinem Herzen neu geboren“ wird. Ich verstand auch den Sinn der oft wiederholten Worte über das Sterben für den Nächsten – also den Verzicht auf die eigenen Vorstellungen, egoistischen Triebe, die nur auf die eigenen Annehmlichkeiten ausgerichtet sind.

Ich erinnere mich noch gut an das Erstaunen aller im Gericht, als ich bei der Verhandlung, als es um psychische und physische Übergriffe ging, gemeinsam mit meinem Sohn erklärte, dass ich verzeihe und beantrage, die Scheidung zurückzuziehen. Da waren alle überrascht – der Richter, Bekannte, die Familie. Aber ich und Peter waren sehr glücklich. Es war uns ein Stein vom Herzen gefallen.

Ich weiß noch, wie viel Hass, Abneigung, Wut auf meinen Mann und die ganze Welt in mir steckte. Das Bewusstsein, mein Leben „verspielt“ zu haben, drückte mich richtig nieder. Und ich weiß, dass all diese negativen Gefühle, die ich im Herzen trug, verstummten, als ich Jesus in mein Leben einlud. „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Matthäus 11, 28) … Die tiefe Wahrheit dieser Worte fühlte ich sogar körperlich. Ich verstand, dass jedes von Jesus gesagte Wort die Wahrheit ist – das Leben und der Weg. Wenn wir wollen, dass Sein Wort unser Leben verwandelt, dann müssen wir dieses Wort wie eine Anweisung verstehen, die man befolgen muss. So war es auch bei den Aposteln, die die ganze Nacht über fischten und nichts fingen, als sie aber das Netz genau nach den Anweisungen Jesu auswarfen, da riss das Netz fast wegen der vielen Fische.

Man kann den anderen, auch wenn er wirklich böse, übel und verdorben wäre, nur mit Liebe erreichen und verändern. Das hat mich Jesus gelehrt und das erwartet er auch von mir. So habe ich etwas getan, wozu ich ohne Seine Kraft nicht in der Lage gewesen wäre. Je besser ich Jesus kennenlernte, desto mehr war ich von Ihm verzaubert und begeistert. Ich wollte so gerne in Seine Nachfolge treten und Ihm wenigsten ein wenig ähneln. Die Begeisterung beinhaltet auch immer den Willen zur Nachfolge.

Ich bat meinen Mann um Verzeihung und schaute ihn mit anderen Augen an, wie einen Bruder im Glauben. Es war die totale Überraschung … Er bemerkte, dass ich mich verändert hatte; er fing an, mit mir gemeinsam zum Gottesdienst zu gehen, nach vielen Jahren ging er erstmals zur Beichte. Jetzt gehen wir zusammen zum Gottesdienst in unserer Gemeinschaft. Auch seine Beziehung zum Sohn hat sich verändert, er ist viel verantwortungsbewusster, viel beherrschter, ruhiger. Es ist schon das dritte Jahr, dass er nicht mehr trinkt. Er spricht mit Hochachtung über den Dienst der Priester. Viele Sachen machen wir nun gemeinsam und reden viel darüber.

Unsere Schwierigkeiten haben wir in die Exerzitien mitgenommen. Dort erlebten wir ein außergewöhnliches Gefühl der Einheit und Herzlichkeit. Erst dort, unter den Freunden Jesu, entdeckten wir, was die sakramentale Ehe wirklich bedeutet, was es bedeutet, in guten und in schlechten Zeiten zusammenzuhalten, und welche Bedeutung die Liebe in der Ehe hat. Zum zweiten Mal, diesmal aber bewusst, luden wir Jesus in unser Leben ein und Er bewirkte ein Wunder wie in Kana in Galiläa.

Wir wünschen uns, dass unser Sohn in uns nun neue, durch Gott verwandelte Menschen erblickt, die herzlich und aufgeschlossen füreinander und auch für andere sind; Menschen, die gemäß dem Evangelium leben. Ich denke, dass unser Zeugnis für ihn das glaubwürdigste Zeichen darstellt, und ein Beweis für die Existenz und Wirkung Gottes ist

Es ist nur mit Gott möglich, aus solch einer Lage, in der wir uns als Familie befanden, herauszukommen. Jesus sagt: „Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht“ (Matthäus 11, 30). Genauso ist es. Wir haben es erfahren. Wir wissen, auf was es im Leben ankommt und was wirklich wertvoll ist: Gott, Familie, herzliche Beziehungen mit den Mitmenschen.

Allen, die in ihrer Ehe auf Probleme stoßen, möchte ich ganz bewusst sagen: Scheidung ist das Tor zur Hölle. Das sollte man niemals vergessen. Jede Ehe ist in den Augen Gottes heilig, unauflösbar und wert, alles zu tun, um sie zu retten. Alles. Gott lässt den Menschen niemals alleine. Niemals.

 

Katharina B.

 

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