Glaube und Vernunft

Autor: ks. Mieczysław Piotrowski TChr

In seiner Enzyklika Fides et ratio (Glaube und Vernunft) sowie in seinen Katechesen entlarvt der selige Johannes Paul II. die lügnerische Propaganda, die der Gesellschaft die Überzeugung aufzwingen will, der christliche Gottesglaube ließe sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Vernunft nicht vereinbaren, der Atheismus hingegen sei ein Zeichen des Fortschritts, während Menschen, die an Gott glauben, ein Hort des Fanatismus, der Rückständigkeit und des Aberglaubens seien.  

 

Die Bekehrung des geistigen Anführers des weltweiten Atheismus

 

 

Am 9. Dezember 2004 gab die Nachrichtenagentur Associated Press die schockierende Meldung heraus, dass der bekannteste Atheist der Welt, der Philosoph Professor Anthony Flew, der seit 1950 Symbolfigur und geistiger Anführer des Weltatheismus gewesen war, zum Glauben an die Existenz Gottes gelangt sei. A. Flew bekannte öffentlich seinen Glauben an Gott und unterstrich dabei, diese Gewissheit resultiere aus den neusten Entdeckungen in der Biologie, der Chemie und der Physik. In seinem Buch There is a God schrieb A. Flew: „Jetzt glaube ich an die Existenz Gottes“ und bekannte, die Entdeckung der Wahrheit über die Existenz des Schöpfergottes sei die Krönung seines langen intellektuellen Wegs gewesen, auf dem er sich nur auf wissenschaftliche Fakten und seinen eigenen Verstand gestützt hatte.

Vor dem Hintergrund dieser Bekehrung sieht man, wie aktuell die Texte der Heiligen Schrift sind, die davon sprechen, dass jeder Mensch aus der Beobachtung der ihn umgebenden Welt und mit Hilfe seiner Vernunft die Wahrheit über die Existenz des Schöpfergottes erkennen sollte. So lesen wir im Buch der Weisheit: „Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht (…) denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen“ (13, 1.5). Und der heilige Paulus fügt hinzu: „Denn was man von Gott erkennen kann, ist ihnen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart. Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar“ (Röm 1, 19-20). Wer? Die, „die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten“ (Röm 1, 18).
Die Sünden versklaven den Verstand und das Herz eines Menschen dermaßen, sie verzerren so sehr sein Denken, dass er Schwierigkeiten hat, die Wahrheit über die Existenz Gottes zu akzeptieren. Der heilige Paulus stellt fest, dass die Menschen durch die Sünden „in ihrem Denken der Nichtigkeit [verfielen], und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren“ (Röm 1, 21-22). Der selige Johannes Paul II. erläutert: „Für die Bibel beinhaltet diese Torheit eine Bedrohung des Lebens. Denn der Tor bildet sich ein, viele Dinge zu wissen, ist aber in Wirklichkeit nicht imstande, den Blick auf die wesentlichen Dinge zu heften. Das hindert ihn daran, Ordnung in seinen Verstand zu bringen (vgl. Spr 1, 7) und gegenüber sich selbst und seiner Umgebung eine entsprechende Haltung einzunehmen. Wenn er dann so weit geht, zu behaupten: »Es gibt keinen Gott« (Ps 14, 1), enthüllt er mit endgültiger Klarheit, wie unzureichend sein Wissen ist und wie weit er von der vollen Wahrheit über die Dinge, ihren Ursprung und ihre Bestimmung entfernt ist“ (Fides et Ratio, 18).

Der bekannte Wissenschaftler Fred Hoyle argumentiert, der Glaube der Atheisten daran, dass es keinen Gott gäbe, und dass die erste lebende Zelle durch Zufall entstanden sei, sei ebenso absurd blind wie der Glaube daran, dass das Vorüberziehen eines Tornados durch einen Schrotthaufen eine flugbereite Boeing zurücklassen würde.

Die Katholische Kirche lehrt ganz klar, dass „Gott, aller Dinge Ursprung und Ziel, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen sicher erkannt werden kann“ (Dei verbum, 6). „Wenn der Mensch mit seinem Verstand Gott, den Schöpfer von allem, nicht zu erkennen vermag, dann liegt das nicht so sehr am Fehlen eines geeigneten Mittels, als vielmehr an dem Hindernis, das ihm von seinem freien Willen und seiner Sünde in den Weg gelegt wurde“, erläutert der selige Johannes Paul II. (Fides et Ratio, 19).

Einer der überzeugendsten wissenschaftlichen Fakten, der auf die Existenz eines Schöpfergottes hinweist, war für A. Flew die Entdeckung der menschlichen DNA. Wir wissen, dass die DNA eine riesige Menge an Informationen enthält, die in einem Informationscode
gespeichert sind. Es drängt sich daher der logische Schluss auf, dass es eine Intelligenz geben muss, die diesen Informationscode (eine bestimmte Art einer ungewöhnlich komplizierten Programmierung, in der die winzigsten Einzelheiten des menschlichen Körpers, wie Geschlecht, Augenfarbe, Haarfarbe, usw. enthalten sind) geschaffen hat und bewirkt hat, dass diese Informationen die natürlichen Prozesse so steuern, dass ein konkreter, äußerst komplexer biologischer Organismus entsteht. Man muss beachten, dass die in den Molekülen der DNA enthaltenen Informationen von der DNA selbst, die nur als Träger dient, losgelöst sind. Man kann diese Informationen als komplizierte Programmierung oder Gedankennotiz bezeichnen, und dies weist auf die Existenz einer personalen Intelligenz hin. Die Teile der DNA, die Nukleotide heißen, bilden ein logisches Ganzes und sind wie Buchstaben und Wörter innerhalb eines Schrifttextes miteinander verbunden. In der DNA gibt es also eine Intelligenz, die in ihr enthaltenen Informationen wiederum sind, wie Professor Michael J. Behe beweist, weder Materie noch Energie.

Als er die Wahrheit über die menschliche DNA erkannte, verstand Professor A. Flew, dass der Atheismus keinerlei logische Grundlagen hat und nichts anderes ist als nur ein irrationaler, blinder Glaube an die zufällige Entstehung des Lebens und des ganzen Universums, das ein harmonisches Ganzes ist und nach logischen Grundsätzen funktioniert. Flew bezeichnete die Art, wie der Atheist Richard Dawkins den Ursprung des Lebens erklärt, der behauptet, dies sei reiner Zufall gewesen – nur mehr „eine geglückte Gelegenheit“- als „lächerliche Anstrengung“.

Auf dem Weg zum Glauben ist für A. Flew Albert Einstein zu einer großen Inspiration geworden, der geschrieben hatte, dass sich in den Naturgesetzen eine so enorme Intelligenz offenbart, dass die ganze Rationalität des menschlichen Denkens im Vergleich mit dieser nur als ihr unbedeutendes Abbild erscheint. Professor Flew zitiert in seinem Buch There is a God Einstein, der von der Sicherheit bezüglich der Existenz einer höchsten, transzendenten Intelligenz spricht, die das Weltall ins Sein gerufen hat und seine Entwicklung lenkt: „Ich bin kein Atheist“ – so Einstein- „und denke, dass man mich auch nicht als Pantheisten definieren kann. Wir sind in der Situation eines Kindes, das in eine unermessliche Bibliothek voller Bücher in verschiedenen Sprachen hereingekommen ist. Das Kind weiß, dass jemand sie geschrieben haben muss. Aber es weiß nicht wie, und es kennt auch die Sprachen nicht, in denen sie geschrieben wurden. Das Kind ahnt undeutlich, dass es einen geheimnisvollen Plan in der Anordnung dieser Bücher gibt, aber es weiß nicht, wie dieser aussieht. Mir scheint, dies illustriert die Situation des Menschen, und sei es des intelligentesten, in der er angesichts Gottes steht. Wir sehen, wie das Universum von bestimmten Gesetzmäßigkeiten wunderbar geführt und gelenkt wird, aber wir verstehen diese nur sehr wenig. Unser beschränkter Verstand ist nur zu der intuitiven Einsicht fähig, dass eine geheimnisvolle Macht existiert, die die Konstellationen bewegt (S. 99); „(…) Wer auch immer sich ernsthaft der wissenschaftlichen Arbeit gewidmet hat, gelangt zu der Überzeugung, dass die Naturgesetze die Existenz eines Geistes offenbaren, der unendlich viel größer ist als der des Menschen, und vor dem wir mit unseren bescheidenen Fähigkeiten eine Haltung der Demut annehmen sollten“ (S. 102).

In seinem Buch There is a God zitiert Flew folgendes Bekenntnis Einsteins: „Meine Religiosität besteht in der demütigen Bewunderung dieses uns unendlich überragenden Geistes, welcher sich in den winzigsten Einzelheiten offenbart, die wir mit unserer flüchtigen und schwachen Intelligenz zu verstehen imstande sind. Das Fundament meines Glaubens an Gott ist die tiefe und bewegende Überzeugung von der Anwesenheit einer höchsten rationalen Kraft, die sich im Weltall offenbart“ (S. 102-103). Man muss bedenken, dass Einstein die Behauptung entschieden zurückwies, es gäbe nur das, was wir mit unseren Sinnen beobachten und erforschen können; er hielt sie für grundfalsch und war der Ansicht, sie würde unsere Erkenntnisfähigkeit einschränken.

 

 

 

Zwischen Vernunft und Glauben existiert keinerlei Widerspruch

 

 

Ein reifer Glaube stützt sich immer auf die Vernunft, aber gleichzeitig - so schrieb es der hl. Augustinus - „glaube ich, um zu verstehen“. Durch den Akt des Glaubens nehmen wir die Tatsache des sich offenbarenden Gottes an, wir öffnen uns für die unsichtbare geistige Wirklichkeit, die wir weder durch die Vernunft noch durch unsere Sinne erkennen können. So führt also die durch den Glauben erleuchtete Vernunft den Menschen auf dem Weg, auf dem er die objektive Wahrheit über Gott, über den Menschen und über den letzten Sinn des menschlichen Lebens, Leidens und Sterbens erkennt.

Zu Beginn seiner Enzyklika Fides et ratio schreibt der selige Johannes Paul II.: „Glaube und Vernunft (Fides et ratio) sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt. Das Streben, die Wahrheit zu erkennen und letztlich Ihn selbst zu erkennen, hat Gott dem Menschen ins Herz gesenkt, damit er dadurch, dass er Ihn erkennt und liebt, auch zur vollen Wahrheit über sich selbst gelangen könne“ (Fides et Ratio, 1). Zur Betrachtung der Wahrheit kann man sich nicht mit nur einem Flügel aufschwingen, dazu sind zwei notwendig: Vernunft und Glaube, die sich gegenseitig stützen und ergänzen. Der Glaube eröffnet also der Vernunft unbegrenzte Perspektiven und Freiheit des Erkennens. Ein Glaube hingegen, welchem die Stütze der Vernunft fehlt, ist großer Gefahr ausgesetzt, denn er wird sich möglicherweise nur auf Gefühle und Erlebnisse beschränken und so zum Aberglauben oder Mythos werden. Der Glaube sollte sich immer auf die Vernunft stützen, und die Vernunft auf den Glauben. Die Katholische Kirche lehrt, dass es falsch ist, sich nur auf die Vernunft zu stützen (Verurteilung des Rationalismus), und ebenso ist es falsch, die Vernunft gänzlich zu verwerfen und sich nur auf den Glauben zu stützen (Verurteilung des Fideismus).

Der selige Johannes Paul II. stellt in seiner Katechese vom 17. Juli 1985 fest: „Sowohl heutzutage als auch in der Vergangenheit meinen viele Gelehrte, dass die strengen Anforderungen von wissenschaftlichen Forschungen und das ehrliche, frohe Anerkennen der Existenz Gottes nicht nur Hand in Hand gehen, sondern auch ein perfektes Ganzes bilden können.“ Der Papst erinnerte an eine Befragung, die die 398 herausragendsten Wissenschaftler der Welt erfasste. Nach Auswertung ihrer Ergebnisse ergab sich, „dass nur 16 von ihnen sich als nicht gläubig bezeichnen, 15 als Agnostiker, und 367 als gläubig“ (vgl. A. Eymieu, La part des croyants dans les progrés de la science, S. 274).

Die überwältigende Mehrheit der hervorragendsten Wissenschaftler sind tief gläubige Menschen. Als Beispiele nennen wir einmal so herausragende Menschen der Wissenschaft und gleichzeitig gläubige Katholiken wie den Priester Nikolaus Kopernikus (Astronomie), den Mönch Gregor Mendel (Genetik), Antoine Lavoisier (Chemie), Enrico Fermi und Erwin Schrodinger (Physik), Blaise Pascal (Mathematik) oder John von Neumann (Informatik).

Johannes Paul II. zitierte eine Aussage des berühmten italienischen Wissenschaftlers Enrico Medi, um ein Beispiel dafür zu geben, wie Wissenschaftler zu der logischen Schlussfolgerung über die Existenz eines Schöpfergottes gelangen, indem sie sich auf wissenschaftliche Forschungen stützen. Folgendes sagte E. Medi während einer Konferenz: „Ich sage einem jungen Menschen: Schau, da ist ein neuer Stern, eine neue Galaxis, ein Neutronenstern, der 100 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Und dabei sind doch die Protonen, Elektronen, Neutronen und Mesonen mit denen identisch, aus denen dieses Mikrofon besteht. Diese Deckungsgleichheit schließt die Wahrscheinlichkeit aus. Das, was deckungsgleich ist, kann nicht nur wahrscheinlich sein. Also gibt es eine Ursache außerhalb des Raums, die diesem Sein die ihm eigene Gestalt verliehen hat. Diese Ursache ist Gott. In der Sprache der Wissenschaft sage ich, dass es ein Sein gibt, welches die Deckungsgleichheit voneinander entfernter Dinge verursacht. Und die Anzahl der identischen Teilchen im Weltall beträgt 10 hoch 85. (…) Stimmen wir also einen Galaxiengesang an? Wäre ich Franziskus von Assisi, würde ich ausrufen: »Oh Galaxien des unendlichen Raums, lobpreist meinen Herrn, denn er ist allmächtig und gut. Oh Atome, Protonen, Elektronen, oh Gesänge der Vögel, oh Rauschen der Blätter und der Luft, die ihr euch unter der Herrschaft des Menschen befindet, singt eine Hymne, die wie ein Gebet zu Gott zurückkehrt! «“ (17.07.1985).

Der selige Johannes Paul II. unterstreicht, dass die Texte der hl. Schrift uns lehren, dass der Mensch fähig ist, Gott allein durch die Vernunft zu erkennen: dass er fähig ist zu einem bestimmten »Wissen« über Gott, auch wenn dies kein direktes Wissen ist. Also gibt es neben dem »ich glaube« auch ein »ich weiß«. Dieses »ich weiß« betrifft die Existenz Gottes, und auch bis zu einem gewissen Grad Sein Wesen. (…) Der Kirche zufolge enthält unser gesamtes, sich auf den Glauben stützendes Denken über Gott auch einen »vernünftigen« und »verstandesmäßigen« Charakter“ (Johannes Paul II., 20. März 1985).

Bei Menschen reinen Herzens, die ehrlich nach der Erkenntnis der Wahrheit streben, ergänzen sich Vernunft und Glaube gegenseitig und bilden ein harmonisches Ganzes. „Wenn sowohl das Licht des Glaubens, als auch das Licht der Vernunft von Gott kommen – führte der hl. Thomes von Aquin aus – dann können sie einander nicht gegenseitig widersprechen (…). Der Glaube fürchtet daher die Vernunft nicht, sondern er sucht seine Hilfe und setzt sein Vertrauen auf ihn. Wie sich die Gnade auf die Natur stützt und ihr erlaubt, zur Fülle zu gelangen, so stützt sich der Glaube auf die Vernunft und vervollkommnet ihn. Die durch den Glauben erleuchtete Vernunft wird von ihren Unvollkommenheiten und Beschränkungen befreit, deren Ursache der Ungehorsam der Sünde ist, und erlangt die nötige Kraft, um sich zur Erkenntnis des Geheimnisses des Dreieinigen Gottes zu erheben.“ Der Heilige Thomas argumentierte, der Glaube sei „eine Art »Denkübung«; die Vernunft nimmt sich durch ihre Zustimmung zu den Glaubensinhalten weder zurücknoch erniedrigt sie sich; zu den Glaubensinhalten gelangt man in jedem Fall durch freie Entscheidung“ (Fides et ratio, 43).

Auch alle zuverlässigen und ehrlichen wissenschaftlichen Forschungen widersprechen niemals dem Glauben an Gott, sondern führen zu Ihm hin. In der Konzilskonstitution Gaudium et spes lesen wir: „Vorausgesetzt, dass die methodische Forschung in allen Wissensbereichen in einer wirklich wissenschaftlichen Weise und gemäß den Normen der Sittlichkeit vorgeht, wird sie niemals in einen echten Konflikt mit dem Glauben kommen, weil die Wirklichkeiten des profanen Bereichs und die des Glaubens in demselben Gott ihren Ursprung haben. Ja, wer bescheiden und ausdauernd die Geheimnisse der Wirklichkeit zu erforschen versucht, wird, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, von dem Gott an der Hand geführt, der alle Wirklichkeit trägt und sie in sein Eigensein einsetzt“ (36).

 

 

 

Dem offenbarenden Gott soll der »Gehorsam des Glaubens« geleistet werden

 

 

Der Mensch ist, wenn er sich seiner Vernunft bedient, fähig, die Tatsache der Existenz des Schöpfergottes zu erkennen. Doch die Erkenntnis Gottes, Der die ganze Wahrheit über sich selbst offenbart, erfolgt nur auf der Ebene des Glaubens: durch das Eingehen einer persönlichen Liebesbeziehung mit Ihm. Gott selbst hat uns direkt offenbart, dass Er einer in drei Personen ist, dass „die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur“ (Dei verbum, 2), dass Er uns zu einer Vereinigung mit Ihm in der Liebe einlädt. Diese und andere Wahrheiten, die Gott uns offenbart hat, können nur auf der Ebene des Glaubens, der von der Vernunft unterstützt wird, erkannt werden, eines „Glaubens, der in der Liebe wirksam ist“ (vgl. Gal 5, 6).

Der selige Johannes Paul II. weist darauf hin, dass Gott, indem er sich offenbarte, dem Menschen eine Antwort auf die Frage nach dem letzten Sinn seines Lebens schenkte: »Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf«, stellt die Konstitution Gaudium et spes fest. Außerhalb dieser Sicht bleibt das Geheimnis der menschlichen Person ein unlösbares Rätsel. Wo sonst als in dem Licht, das vom Geheimnis der Passion, des Todes und der Auferstehung Christi ausstrahlt, könnte der Mensch die Antwort auf so dramatische Fragen suchen wie die des Schmerzes, des Leidens Unschuldiger und des Todes?“ (Fides et ratio, 12).
„Dem offenbarenden Gott ist der »Gehorsam des Glaubens« (Röm 16,26; vgl. Röm 1,5; 2 Kor 10,5-6) zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich »dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft« (Vaticanum I) und seiner Offenbarung willig zustimmt“ (Dei verbum, 5).

Durch den Akt des Glaubens – also durch den Akt des vollkommenen Anvertrauens seiner selbst an Gott, Der die Liebe ist- realisiert der Mensch am vollsten seine personale Freiheit. Der selige Johannes Paul II. unterstreicht: „… der Glaube ermöglicht es einem jeden, seine Freiheit bestmöglich zum Ausdruck zu bringen. Mit anderen Worten, die Freiheit verwirklicht sich nicht in Entscheidungen gegen Gott. In der Tat, wie könnte die Weigerung, sich dem zu öffnen, was die Selbstverwirklichung ermöglicht, als ein glaubwürdiger Gebrauch der Freiheit angesehen werden? Im Glauben vollzieht der Mensch den bedeutsamsten Akt seines Daseins; denn die Freiheit gelangt zur Gewissheit der Wahrheit und entschließt sich, in ihr zu leben“ (Fides et ratio, 13).

Im Glauben an Gott zu leben bedeutet, sich Ihm jeden Tag ganz anzuvertrauen, Ihm grenzenlos zu vertrauen und Seinen Willen zu tun, der sich in den Geboten, im Sittengesetz, in der Lehre der Kirche, in den Texten der  Hl. Schrift und in der Stimme des Gewissens kundtut. Ein gläubiger Mensch betet täglich, meidet alles, was auch nur den Anschein des Bösen hat (1 Thess 5, 22), und wenn er in Sünde fällt, kommt er sofort zum Sakrament der Buße, in dem er das Wunder der Barmherzigkeit Gottes erfährt: die Vergebung aller Sünden.

Die größten Experten auf dem Weg des Glaubens sind die Heiligen. Die heilige Faustina schreibt, dass man anfangs „nur ein wenig guten Willen braucht. Wenn Jesus in der Seele dieses bisschen guten Willens bemerkt, dann beeilt er sich, sich der Seele hinzugeben, und nichts kann Ihn aufhalten, kein Fehler und kein Sündenfall, überhaupt nichts. Jesus hat es eilig, dieser Seele zu helfen, und wenn die Seele dieser Gnade Gottes treu ist, dann kann sie in sehr kurzer Zeit zu der höchsten Heiligkeit gelangen, zu der ein Geschöpf hier auf der Erde gelangen kann. Gott ist überaus großzügig und verweigert niemandem seine Gnade, Er gibt mehr als das, worum wir Ihn bitten“ (Tagebuch, 291).

Beten wir täglich um das Geschenk eines lebendigen Glaubens, um ein vollkommenes, grenzenloses, kindliches Vertrauen zu Gott. Bitten wir den Barmherzigen Gott auch um das Licht des Glaubens für die Ungläubigen und um die Bekehrung verhärteter Sünder.

 

 

Pater M. Piotrowski SChr.

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