Die Berufung des Colm Cahill

Autor: Sebastian Bednarowicz

Pfarrer Peter Glas holte ein kleines Foto des Jungen hervor und flehte die Muttergottes inständig mit den Worten an: „Ich habe schon alles getan, ich kann nichts weiter tun, jetzt musst Du etwas tun!“ Schon in der darauf folgenden Nacht kamen die ersten SMS von Colms Mutter, es sei etwas geschehen…

Colm Cahill kam in einer gut katholischen Familie auf der Insel Jersey an der Küste Großbritanniens zur Welt. Sein Vater war Schuldirektor, eine im örtlichen Umfeld geachtete Persönlichkeit, seine Mutter arbeitete als ausgebildete Krankenschwester. Außer ihm hatten die Eltern noch vier weitere Kinder: zwei Söhne und zwei Töchter.

Als Colm sieben Jahre alt war, hatte er zusammen mit seinem Vater einen Autounfall. Seit diesem Ereignis veränderte sich sein Leben diametral. Kurze Zeit nach diesem Unfall bekam der Junge einen Krampfanfall. Solche Anfälle wurden häufiger und nahmen auch an Intensität zu. Erst passierten sie mehrmals die Woche, dann täglich, bis sie schließlich nahezu ununterbrochen andauerten. Dies bedeutete für Colm das Ende des Schulbesuchs und ständige Krankenhausaufenthalte. Doch die Ärzte waren angesichts seines Falles ratlos. Spezialuntersuchungen, die von den besten europäischen Medizinern durchgeführt wurden, ließen einzig die Feststellung zu, dass es sich nicht um Epilepsie handelte. Die Ursache sowie der tatsächliche Charakter der Krankheit blieben weiterhin ein Rätsel.

Der Junge wuchs und wurde kräftiger, aber die Krankheit schritt fort. Während eines Anfalls warf sich Colm im ganzen Zimmer herum, und dies, obwohl er jeden Tag fast dreißig große Dosen von Psychopharmaka zu sich nahm. Die Ärzte rieten, ihn in einem speziellen Heim in Southampton unterzubringen und prognostizierten, dass er in Kürze sterben würde, da sein Herz diese dauernden Anfälle nicht überstehen würde. Die gesamte Familie war in die Betreuung des Jungen eingebunden. Seine Mutter gab ihren Beruf auf, und seine Geschwister, selbst das jüngste, wussten, wie sie sich während eines Anfalls zu verhalten hatten.

In Colms Pfarrei arbeitete der polnische Priester Peter Glas, der jedes Jahr eine Pilgerfahrt nach Medjugorje zu unternehmen pflegte. Diese Absicht hatte er auch im Mai 2004, als Colm 13 Jahre alt war und seine Krankheit sich immer mehr auf seine gesamte Familie niederschlug. Pfarrer Glas besuchte den Jungen vor seiner Abfahrt nach Bosnien, und da kam ihm der Gedanke, die ganze Pilgerreise in dessen Anliegen aufzuopfern, gemäß der Lehre der Heiligen Schrift: „Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen!“ (Gal 6,2). Er erzählte Colm von seiner Idee und bat ihn um Verbundenheit im Gebet.

Der Besuch in Medjugorje verlief plangemäß. Alle Heiligen Messen, Anbetungszeiten, Kreuzwege und Fastenopfer brachte Pfarrer Glas für Colm dar. Am 21. Mai um 22 Uhr sollte die Erscheinung von Ivan stattfinden, einem der sechs „Seher“. Pfarrer Glas informierte die Angehörigen von Colm über dieses Ereignis und bat sie, genau um diese Zeit intensiv zu beten. Während der „Erscheinung“ holte Pfarrer Glas ein kleines Foto des Jungen hervor und flehte die Muttergottes inständig mit den Worten an: „Ich habe schon alles getan, ich kann nichts weiter tun, jetzt musst Du etwas tun!“ Schon in der darauf folgenden Nacht kamen die ersten SMS von Colms Mutter, es sei etwas geschehen. Sie sagte jedoch nicht genauer, um was es sich handelte.

Am nächsten Tag trug Pfarrer Glas das Bild des Jungen zu einem Erdhügel, der an der Stelle aufgeschüttet worden war, an dem Pater Slavko gestorben war, und ließ es unter einem der Steine liegen. Als er sich entfernte, hatte er das Gefühl, als würde er jemand Wertvollen zurücklassen, doch gleichzeitig war er zutiefst davon überzeugt, dass er dies tun musste.

Nach seiner Rückkehr auf Jersey erfuhr Pfarrer Glas, was in der Familie Cahill geschehen war. Am 21. Mai hatte ein leichter Wind geweht und es war wunderschönes Wetter. Um 21 Uhr (aufgrund der Zeitverschiebung) blieb Colm allein im Garten, wo er den Rosenkranz betete; zuvor hatte er zehn große Kerzen entzündet. Im Augenblick der „Erscheinung“ in Medjugorje hörte der Wind plötzlich auf zu wehen, und die Kerzen gingen aus. Doch nicht etwa alle auf einmal, sondern nacheinander. Als die letzte von ihnen erloschen war, wurde Colm geheilt. Es verging der erste Tag ohne einen einzigen Krampfanfall, dann noch einer und noch einer, und noch ein weiterer. Im August wurde während eines Ärztekonsiliums beschlossen, die Psychopharmaka schrittweise abzusetzen. Dies geschah auf Verlangen Colms, der argumentierte, er sei wieder gesund, Gott habe ihn geheilt.

In der Zwischenzeit begab sich die Familie Cahill auf eine Pilgerfahrt nach Lourdes. Dort wies der Wächter inmitten der Tausenden von Pilgern, die sich um den Erscheinungsort drängten, nur auf Colm und erlaubte ihm, alleine in die Grotte zu gehen und dort zu beten. Auf dem Rückweg machte die Familie für eine Übernachtung in einem Landhotel irgendwo in der Normandie halt. Die Verwandten Colms überdachten alle Ereignisse der letzten Monate und überlegten, was weiter zu tun sei. Als sie nach dem Abendessen vor das Hotel gingen, erregte ein riesiger Bus ihre Aufmerksamkeit, auf dessen Frontscheibe ein großes Bild der Muttergottes von Medjugorje geklebt war. Wie sich herausstellte, waren das italienische Pilger, die gerade auf dem Weg nach Medjugorje waren. Diese besonders passende Übereinstimmung sowie die Tatsache des ungewöhnlichen Zusammentreffens mit Italienern in der entlegenen und überhaupt nicht auf der Route nach Medjugorje liegenden Normandie wurde von den Cahills als Zeichen gedeutet, nach Medjugorje zu fahren.

Als erster fuhr Colm selbst nach Medjugorje. Am Jahrestag seiner Heilung nahm ihn Pfarrer Glas mit dorthin. Als sie am 21. Mai 2005 in Medjugorje ankamen, sprang der Junge aus dem Taxi und verschwand für 20 Minuten in der Menschenmenge. Als er zurückkam, sagte er, hier sei sein Zuhause und er kenne diesen Ort sehr gut. Während der Heiligen Messe legte Pfarrer Glas Zeugnis von der Heilung Colms ab. Das Evangelium jenes Tages enthielt die Worte: „Denn für Gott ist nichts unmöglich“  (Lk 1,37).

Die Heilung Colms hatte eine große Bedeutung für die Vertiefung und die Festigung des Glaubens sowie die geistliche Entwicklung der Familie Cahill. Seitdem reisen sie regelmäßig nach Medjugorje. Colm selbst organisiert bereits Pilgerfahrten nach Bosnien. Auf einer von ihnen bekehrte sich sein älterer Bruder, der längere Zeit hindurch fern von Gott gelebt hatte. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten, in New Orleans, erkannte Colm, dass Christus ihn zum Priestertum berief. Nach seiner Rückkehr nach England wurde er ins Priesterseminar aufgenommen. Er studiert zurzeit Theologie und bereitet sich auf den Empfang der Priesterweihe vor. Die wunderbare Heilung Colms war ein Aufruf zur Bekehrung. Jesus sagte: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht“ (Joh 4,48). Doch es braucht Demut und Offenheit des Herzens, um Gottes Zeichen zu sehen und richtig zu verstehen. Colm, seine Eltern, die Familie, sowie viele Freunde und Bekannte haben dieses außergewöhnliche Zeichen in dieser Weise aufgenommen. Sie haben verstanden, dass sie zur Bekehrung aufgerufen wurden, dass der Mensch zur Fülle seines Glücks allein Gott braucht, Der die Liebe und Barmherzigkeit selbst ist, Dem man grenzenlos vertrauen und für alles danken kann, und Dessen Willen man erfüllen soll.

Bearbeitet von Sebastian Bednarowicz (nach einem Gespräch mit Pfarrer Peter Glas)

 

Als die Muttergottes in Fatima und Medjugorje erschien, erinnerte Sie uns daran, dass das größte Unglück des Menschen darin besteht, zu sündigen und in der Sünde zu verharren. Solch eine Einstellung kann den Menschen das ewige Leben kosten. Deshalb bittet Maria mit der Ihr eigenen mütterlichen Zärtlichkeit jeden von uns, am Werk zur Rettung der eigenen Seele, der Menschen, die uns am Herzen liegen, aber auch der ganzen Welt teilzunehmen. Wir wissen, dass nur die Liebe Christi in der Lage ist, all das Grauen des Bösen, das über uns und der ganzen Menschheit lastet, zu überwinden. Jesus benötigt jedoch unser Einverständnis, um durch uns wirken und mit Seiner Liebe zu den größten Sündern durchdringen zu können. Wir sind also dazu aufgerufen, uns mit dem Unbefleckten Herzen der Allerheiligsten Mutter zu vereinen, damit Sie uns lehrt, einen lebendigen Glauben und Vertrauen zu haben. Dies soll sich folgendermaßen ausdrücken:

1. In der Abkehr von jeglicher Sünde und einem Leben nach den moralischen Grundsätzen und der Lehre der katholischen Kirche.

2. Im täglichen Gebet, das auch den Rosenkranz und die Schriftlesung beinhaltet.

3. Im Einhalten der Herz-Mariä-Sühnesamstage und der Andacht der ersten Freitage im Monat zur Sühne für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt, um den Unbefleckten Herzen Mariens und Jesu Genugtuung zu leisten.

4. In monatlicher Beichte und häufigem Kommunionempfang und, falls möglich, durch Fasten bei Brot und Wasser am Mittwoch und Freitag. „Bevor die Zeit der Gerechtigkeit kommt, gebe ich der Menschheit eine Zeit der Barmherzigkeit“, sagt Jesus durch die heilige Schwester Faustine. Mögen wir diese Zeit gut nutzen.  

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