Erzbischof Zollitsch - Kloster Mar Gabriel

2010-10-13

13.01.2010
Brief an den türkischen Botschafter in Berlin

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, hat sich gegenüber der türkischen Regierung besorgt über die Lage der wenigen noch in der Türkei lebenden syrisch-orthodoxen Christen gezeigt. In einem Brief an den Botschafter der Türkei in der Bundesrepublik Deutschland, Ahmed Acet, geht Erzbischof Zollitsch auf die Gefahr staatlicher Enteignung großer Teile der Bodenfläche des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel ein.

„Spätestens die Ende Januar 2009 vom lokalen Schatzamt gegen das Kloster erhobene Klage hat den Verdacht hervorgerufen, dass sogar staatliche Stellen an einer Beendigung der über 1600 Jahre währenden Existenz dieses Klosters Interesse haben könnten. Weitere Nahrung erhielt dieser Verdacht durch die Tatsache, dass das Schatzamt gegen das erstinstanzliche Urteil, das zugunsten des Klosters ausgefallen war, in Berufung gegangen ist – anstatt die Klage, schreibt Erzbischof Zollitsch „fallen zu lassen“, wie weithin erwartet worden war. Bereits am 10. November 2009 habe das vom Schatzamt angerufene Berufungsgericht in Ankara getagt, ohne dass bislang bekannt geworden wäre, zu welchem Ergebnis es gekommen sei. Erzbischof Zollitsch bat den Botschafter, ihn über den Stand des Verfahrens in Kenntnis zu setzen. Gleichzeitig unterstrich er die Sorge um die Fortexistenz des Klosters, das für viele syrisch-orthodoxe Christen – weit über die Türkei hinaus – von großer Bedeutung sei.

Erzbischof Zollitsch erinnerte außerdem an die gehäuften Angriffe auf Leib und Leben von Priestern und Ordensleuten. „Das sind Verbrechen, auf deren Aufklärung sicherlich nicht nur Christen weiter hoffen.“ Er erwarte von der türkischen Regierung, „geeignete Maßnahmen zum Schutz der historischen christlichen Kirchen, Klöster und Kulturgüter sowie zum persönlichen Schutz einzelner gefährdeter Christen“ zu ergreifen und wo immer nötig zu verstärken.


 
Der Menschenrechtsausschuss des österreichischen Nationalrats tritt für die Rechte der syrischen Christen in Ostanatolien und für den Schutz des berühmten Klosters Mar Gabriel im Tur Abdin ein. Ein entsprechender Entschließungsantrag der Koalitionsparteien wurde einstimmig angenommen. Das syrisch-orthodoxe Kloster Mar Gabriel sei eines der wichtigsten verbliebenen christlichen Zentren in der Türkei und trage dazu bei, dass die aramäische Sprache nicht aussterbe, heißt es in den Erläuterungen. Gleichzeitig fordern die Abgeordneten die Regierung auf, sich "weiterhin und konsequent" für die Einhaltung und Durchsetzung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit - insbesondere für christliche, jüdische und andere religiöse Minderheiten - in der Türkei einzusetzen.

Das Kloster Mar Gabriel ist eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Das etwa 25 Kilometer von Midyat entfernt liegende Kloster wurde im Jahr 397 begründet. Lange Zeit war Mar Gabriel Sitz des syrisch-orthodoxen Metropoliten des Tur Abdin. Auch heute residiert der Metropolit wieder im Kloster.

In den letzten 25 Jahren wurde das Kloster vollständig renoviert und saniert, was auch Neidgefühle in der anderskonfessionellen Umgebung weckte. Metropolit Timotheos Samuel Aktas, der viele Jahre auch Abt von Mar Gabriel war, hat das Kloster wieder zum geistlichen Zentrum der altsyrischen Christen ausgebaut. Heute leben und arbeiten in Mar Gabriel rund 75 Personen - Mönche, Nonnen, Lehrer mit ihren Familien und 30 Schüler. In der Klosterschule werden die aramäische Sprache, aber auch Liturgie und Literatur der syrischen Christen gelehrt.

Die Lage der syrischen Christen in Ostanatolien ist trotz der Verbesserungen der letzten Jahre nach wie vor prekär. In der Auseinandersetzung zwischen der türkischen Staatsmacht und den kurdischen Freiheitskämpfern gerieten die Christen zwischen die Fronten. Trotz des Eingreifens des "Diyanet" - des staatlichen Religionsamtes in Ankara - breiteten sich darüberhinaus in Ostanatolien islamistische Gruppierungen aus, deren bevorzugtes Angriffsziel die christliche Restminorität ist.

Das Aramäische war die Verkehrssprache des altpersischen Reiches, es war aber auch die Sprache Jesu. Ein großer Teil der frühchristlichen Literatur wurde in aramäischer Sprache verfasst. Nach der islamischen Durchdringung des Nahen Ostens wurde das Aramäische weitgehend vom Arabischen verdrängt, mit Ausnahme des Tur Abdin und einiger Ortschaften im Umfeld von Damaskus.

 
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