Papst: „Abtreibung löst kein Problem”

2011-03-25

Autor: Radio Vaticana

„Abtreibung löst kein Problem – aber sie tötet ein Kind, zerstört die Frau, blendet das Gewissen des Vaters und ruiniert häufig das Familienleben.” Das hat Papst Benedikt XVI. an diesem Samstag vor seiner Lebens-Akademie betont. Im Vatikan empfing er die Vollversammlung der „Päpstlichen Akademie für das Leben“, die sich in den letzten Tagen u.a. mit dem Thema „Trauma durch Abtreibung“ beschäftigt hat. In seiner Ansprache appellierte der Papst an das Gewissen aller, die eine Abtreibung in Erwägung ziehen.

„Wer die Existenz eines moralischen Gewissens leugnet und behauptet, seine Stimme habe nur etwas mit den äußeren Umständen oder mit Emotionen zu tun, den erinnere ich daran, dass die moralische Qualität des menschlichen Handelns kein äußerlicher oder optionaler Wert ist, ja noch nicht einmal etwas, was nur Christen oder Gläubige etwas angeht. Nein, es ist allen Menschen gemeinsam. Im moralischen Gewissen spricht Gott zu jedem Menschen und lädt ihn ein, das menschliche Leben jederzeit zu verteidigen.“

Wer nicht auf sein Gewissen höre, der füge sich selbst Schaden zu, mahnte Benedikt XVI. „Doch auch wenn der Mensch die Wahrheit und das Gute zurückweist, das der Schöpfer ihm anbietet, verläßt Gott ihn dennoch nicht: Er sucht ihn weiterhin durch die Stimme des Gewissens und spricht zu ihm, damit der Mensch seinen Irrtum einsieht und sich der göttlichen Barmherzigkeit öffnet, die imstande ist, jedwede Wunde zu heilen.“ Die ganze Gesellschaft solle sich in den Dienst des Rechtes auf Leben stellen, bat der Papst; damit diene sie auch „dem wahren Heil der Frau“. Schließlich könne eine Frau „niemals in einer Abtreibung eine Art Selbstverwirklichung finden“.

„Lassen wir es auch den Frauen, die leider abgetrieben haben und die dadurch in ein moralisches und existenzielles Drama gestürzt werden, nicht an Hilfe fehlen! Ich erinnere an die Worte, die mein Vorgänger Johannes Paul einmal an Frauen geschrieben hat, die abgetrieben haben: Die Kirche weiß, dass hinter eurer Entscheidung womöglich eine dramatische Lage gestanden hat. Vielleicht spürt ihr noch die Wunde. Was geschehen ist, ist und bleibt zutiefst ungerecht. Lasst euch aber nicht entmutigen, und verzweifelt nicht! Öffnet euch mit Demut und Vertrauen der Reue. Der Vater allen Erbarmens wartet auf euch, um euch seine Verzeihung und seinen Frieden im Beichtsakrament zu schenken. Ihm könnt ihr auch voller Hoffnung euer Kind anvertrauen.“

Oft rieten Ärzte bei gesundheitlichen Problemen des Kindes zu einer Abtreibung, so Benedikt XVI. weiter in seiner Ansprache. Manche Ärzte bezeichneten Abtreibungen in solchen Fällen als moralisch erlaubt und sogar als „therapeutisch erforderlich“, um dem Kind und seiner Familie Leiden und der Gesellschaft eine „ungerechte“ Last zu ersparen. Stattdessen müssten die Mediziner die Frauen aber vor der Täuschung bewahren, dass Abtreibung Probleme lösen könne, so der Papst. Er erinnerte auch daran, dass die Gesellschaft viel zu oft allein den Frauen die Schuld an einer Abtreibung gebe; man dürfe aber nicht darüber hinwegsehen, dass es oft Männer seien, die Frauen „mit einem Kind sitzen lassen“. Benedikt XVI. sprach sich vor den Mitgliedern der Vatikan-Akademie auch für ein verstärkte Stammzellforschung mit Nabelschnurblut aus. Die Kirche befürworte ethisch zulässige Forschungen und ermuntere solche Arbeiten, betonte er.

Manfred Lütz: Gibt es wirklich ein Post-abortion-Trauma?

Zur Päpstlichen Akademie für das Leben gehört auch der deutsche Mediziner, Psychiater, Theologe und Buchautor Manfred Lütz. Im Gespräch mit uns warnte er davor, zu sicher davon auszugehen, dass Abtreibung zu einem psychischen Trauma führt.

„Das Problem ist: Es gibt ganz wenig Forschung über die Frage, welche psychischen Folgen eine Abtreibung für eine Frau hat. Weil es im Grunde zwei Ideologien gibt: Die eine, eine sehr machtvolle, ist die der Befürworter. Die sagen: Wir wollen gar nicht darüber reden, was da alles hinterher Schlimmes passieren kann, das beeinflusst die Frauen ja nur negativ; wir wollen, dass die Frauen sich frei entscheiden und nicht sozusagen mit schlimmen Folgen bedroht werden.“

„An sich entmündigt das die Frauen“, meint Lütz. Eigentlich müsse man einer Frau, wie das ja auch bei anderen medizinischen Eingriffen der Fall sei, „klar die Konsequenzen nennen können, die möglicherweise eintreten“. Dennoch würden von dieser Seite Studien und Publikationen verhindert.

„Und die Pro-Life-Bewegung hat auf der anderen Seite das zu Recht angemahnt – aber da gibt es dann manchmal gar nicht böse gemeinte, aber ebenfalls ideologische Positionen nach dem Motto: Abtreibung ist etwas Schreckliches, ein Verbrechen, wie das Konzil gesagt hat, also muss es auch böse psychische Folgen haben. Und das ist natürlich letztlich naiv.“

Manfred Lütz spitzt das sogar noch zu:

„Wenn wir große Forschung hätten und herauskäme, Frauen gehe es nach einer Abtreibung psychisch besser, dann wäre das Verbrechen Abtreibung noch schlimmer! Wichtig finde ich, dass man diesen moralischen Aspekt und den psychologischen Aspekt streng methodisch trennt.“

Er selbst habe in seiner über 30-jährigen psychiatrischen Praxis Frauen nach Abtreibungen erlebt, die überhaupt keine psychischen Konsequenzen gehabt hätten. „Und ich habe Frauen erlebt, die haben Konsequenzen, die stark an das so genannte post-abortion-Syndrom erinnern.“

„Mein Plädoyer wäre, dass man ohne ideologische Vorurteile einfach mal die Wissenschaft ermutigt, dass man auf breiterer Basis forscht, wie das ist. Und dass man dann noch erforscht, wie man den Frauen helfen kann.“
 

Radio Vaticana

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