2017-2 Zeugnisse

Gott überrascht mich mit seiner Liebe!

Jun 15, 2017 Zeugnis

Ich konnte nicht verstehen, was vor sich ging, ich bemühte mich doch so sehr, betete und wartete auf die wunderbare Befreiung von der Sucht …

Ich freue mich, dass in „Liebt einander!“ das Zeugnis von Daniel, einem Sexsüchtigen, erschien. Ich kenne Daniel persönlich und konnte mit Freude beobachten – und beobachte immer noch –, wie er von der Sexsucht befreit wird. Daniel war mein erster Begleiter bei dem Programm der 12 Schritte, als ich im April 2008 zur Gemeinschaft der Anonymen Sexsüchtigen kam. Ich stieß zur Gemeinschaft der Sexsüchtigen dank des Zeugnisses von Paul Aus der Finsternis ans Licht, welches ebenfalls in „Liebt einander!“ erschienen war.

Doch der Reihe nach. Ich war ein gläubiger Katholik und engagierte mich seit meinem 19. Lebensjahr in Erneuerungsbewegungen innerhalb der Kirche. Damals nahm ich auch zum ersten Mal Jesus als meinen einzigen Herrn und Erlöser an. Von diesem Augenblick an begann ich, täglich zum Gottesdienst zu gehen, die heilige Kommunion zu empfangen, nach jedem Sündenfall sofort zu beichten (manchmal 2-3 Mal in der Woche), die Heilige Schrift zu lesen, und engagierte mich in einer charismatischen Bewegung. Als ich ca. 20 Jahre alt war, wurde ich nach einer Beichte von der Sucht der Selbstbefriedigung befreit, mit der ich seit fünf Jahren kämpfte. Ich dachte, ich wäre vollkommen geheilt …

Nach einem Jahr trat ich in einen Orden ein. Ich dachte damals, dass der gute Gott mich zum Priester beruft. Derweil kam es nach einem Jahr zu einem Fall der Selbstbefriedigung. Ich beichtete es. Nach einigen Jahren fiel ich wieder und beichtete meine Sünde. Nach einiger Zeit war die Sucht wieder an der Tagesordnung … Ich war die ganze Zeit über süchtig, nur war mir das überhaupt nicht bewusst. Meine Rückkehr zur aktiven Sucht verlief parallel zu einem starken Stimmungstief. Ich suchte Hilfe bei vielen Beichtvätern und in einem Therapiezentrum. Nach vier Jahren verließ ich den Orden. Bevor es dazu kam, gab mir einer der Beichtväter einen Zettel mit dem Programm der 12 Schritte der Gemeinschaft der Sexsüchtigen und sagte, dass dies mein Weg zur Heilung sein könnte. Ich meinte, dass ich diese Grundsätze bereits befolgte. Ich befand mich jedoch in einem großen Irrtum. Ich begann erst in der Gemeinschaft der Sexsüchtigen, zu der ich zehn Jahre später stieß, nach dem Programm der 12 Schritte zu leben.

Ich suchte Hilfe bei vielen Beichtvätern und in einem Therapiezentrum

Bevor dies geschah, kehrte ich zu meinen Eltern zurück, setzte mein Studium fort, engagierte mich in einer Evangelisationsgemeinschaft und kämpfte aus allen Kräften gegen meine Sucht an, so sehr ich nur konnte: Ich las die Bibel, betete den Barmherzigkeitsrosenkranz, den Rosenkranz, trat in die Bewegung der Reinen Herzen ein. Ich nahm oft an der Eucharistiefeier teil, beichtete nach jedem Fall, betete Jesus in der Eucharistie an, nahm an vielen Wallfahrten teil, auch an Ignatianischen Exerzitien, ich evangelisierte, fastete, studierte Theologie, gab Almosen, nahm an Heilungsgebeten teil usw. Leider wurde es immer schlimmer: Es kam öfter zu Selbstbefriedigung und zum Konsum von Pornografie … Zwanghaft suchte ich nach einer Ehefrau. Die sexuellen Obsessionen ließen mich nicht beten, lernen usw. Ich konnte nicht verstehen, was vor sich ging, ich bemühte mich doch so sehr, betete und wartete auf die wunderbare Befreiung von der Sucht …

Jetzt weiß ich, dass all diese Mittel die Ausbreitung der Krankheit verhinderten, weswegen mir vieles erspart geblieben ist, sie konnten sie jedoch nicht aufhalten. Der gute Gott, mein Vater, führte mich in die Gemeinschaft, in der ich mit seiner Gnade zusammen arbeiten kann, von der Sucht geheilt werden und anderen helfen kann. Sexsucht ist eine chronische Krankheit. Der heilige Petrus schrieb: „Deshalb umgürtet euch, und macht euch bereit! Seid nüchtern, und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch bei der Offenbarung Jesu Christi geschenkt wird. Seid gehorsame Kinder, und lasst euch nicht mehr von euren Begierden treiben wie früher, in der Zeit eurer Unwissenheit“ (1 Petr 1,13-14).

Nach einiger Zeit war die Sucht wieder an der Tagesordnung … Ich war die ganze Zeit über süchtig, nur war mir das überhaupt nicht bewusst

In meinem Leben bewirkte und bewirkt Jesus kraft des Heiligen Geistes Wunder. Er überrascht mich immer wieder mit seiner Liebe. Seit dem 12. November 2009 bin ich frei von der aktiven Sucht. Ich arbeite in meinem erlernten Beruf, verkünde das Wort Gottes, habe Freunde, engagiere mich in der Neuevangelisierung. Das größte Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit, erbeten auf die Fürsprache Mariens hin, ist die Tatsache, dass ich geheiratet habe und nun Vater eines Sohnes bin. Für alles sei der gute Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, hoch gelobt, jetzt und in alle Ewigkeit!

Jan