2018-2 Familie

Die Familie als Weg zur Heiligkeit

„† Die acht Seligpreisungen und das Hohelied der Liebe sind Meine ganze Lehre. Ich habe Euch das Beispiel eines Lebens gemäß dieser Werte und Prinzipien gegeben. Bitte und sehne dich danach, dass Ich dich diese schönsten Werte des menschlichen Lebens in der Welt erkennen und lieben lasse. Und dass Ich dich im Leben durch das führe, was dich am meisten bereichert“ (Der Herr Jesus zu Alicja Lenczewska, Zeugnis, 788).

Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns daran erinnert, dass jeder von uns zur Heiligkeit berufen ist: „Alle Christgläubigen sind also zum Streben nach Heiligkeit und ihrem Stand entsprechender Vollkommenheit eingeladen und verpflichtet“ (Lumen gentium, 42). Für die Mehrheit der Menschen ist das Leben in der Familie ihr Weg zur Heiligkeit. Doch der sog. Durchschnittsmensch, der diese Berufung lebt, könnte meinen, dass Heiligkeit nur für einige Auserwählte vorgesehen ist, die uns als Beispiel gegeben wurden, damit wir unser Verhalten bessern. Wir glauben nicht, dass Heiligkeit in unserer Reichweite liegt. Deshalb hat uns auch der Herrgott das vollkommenste Beispiel zur Nachahmung im Vorbild der Heiligen Familie geschenkt, die aus drei Personen besteht: Jesus, dem Sohn Gottes, Maria, der Unbefleckten, und dem hl. Josef.

Auch in unseren Familien sind wir oftmals hilflos. Es ist schwer, in Demut anzunehmen, dass wir uns beständig an Gott wenden und Ihn um Barmherzigkeit bitten sollen

Geistige Armut

Schauen wir uns an, wie der hl. Josef nach Heiligkeit gestrebt hat, unser Vorbild eines Vaters und Ehemanns. Um dies zu tun, ist es am besten, Jesu Kriterien heranzuziehen, die das Programm der Heiligkeit für jedermann definieren: die Acht Seligpreisungen. „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,3). Gemäß der hl. Theresia vom Kinde Jesus beruht Armut darauf, dass man klein ist, dass man seine Nichtigkeit anerkennt und alles von Gott erwartet. Der hl. Josef lebte beständig in dieser Haltung. Wir wissen dies aus dem Evangelium des hl. Matthäus, in dem wir lesen, dass Josef sich in dem Moment, in dem er erfuhr – sehr wahrscheinlich von Maria selbst -, dass Sie ein Kind erwartete, in einer sehr schwierigen Situation wiederfand. Er war ratlos, und sicher hat er aus der Tiefe seiner Armut um Hilfe und Licht zu Gott gerufen. Er suchte nach Gottes Willen: „Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen“ (Mt 1,19). Und so war es mit allem: In seiner Ohnmacht streckte der hl. Josef seine Hände beständig zu Gott aus, und der Herrgott gab ihm in jeder Situation Licht und Gnade, damit er seine Mission treu erfüllen konnte. Als nächstes begleiten wir Josef und die schwangere Maria auf der zweifellos beschwerlichen Reise nach Betlehem, wo ihr Kind geboren wurde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Josef bei der Geburt assistiert hat. Auch hier erwies er sich als völlig machtlos. Was fühlte Josef, als er das Gotteskind auf den Händen trug, dem er noch nicht einmal den Namen selber aussuchen durfte – was traditionell das Privileg des Vaters war -, weil der Engel diesen bereits bei der Verkündigung vorhergesagt hatte? Auch in unseren Familien sind wir oftmals hilflos. Es ist schwer, in Demut anzunehmen, dass wir uns beständig an Gott wenden und Ihn um Barmherzigkeit bitten sollen. Doch die Familie ist eine wunderbare Schule des Gebets und der Demut, besonders, wenn es ein gemeinsames Familiengebet mit den Kindern gibt. Man braucht nicht auf irgendeinen Zeitpunkt zu warten: Selbst wenn unsere Kinder noch nicht sprechen können, können wir bereits gemeinsam mit ihnen die Hände ausstrecken und ihnen zeigen, dass wir in allem von Gott abhängig sind. Außerdem können Kinder durch ihre Hilflosigkeit und völlige Abhängigkeit von Mutter und Vater aus uns hervorbringen und der Welt zeigen, was in uns Eltern am schönsten und edelsten ist.

Es gibt keinen Ehemann und Vater, der ein reineres Herz hätte als der hl. Josef. Die Reinheit betrifft nicht nur den körperlichen Bereich, sondern auch die Reinheit der Absicht

Die Reinheit des Herzens

Die zweite Seligpreisung spricht von jenen, die ein reines Herz haben: „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8). Der heilige Josef hatte – wie sicher jeder Mensch – seine menschlichen Pläne: eine Familie gründen, zahlreiche Nachkommen haben, gute Bedingungen schaffen, um für die Familie zu sorgen. Aber, so lesen wir im Evangelium: „…noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie [Maria] ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes“ (Mt 1,18). Von da an nahm der heilige Josef die Herausforderung an, so zu leben wie Maria: in Enthaltsamkeit. Es gibt keinen Ehemann und Vater, der ein reineres Herz hätte als der hl. Josef. Die Reinheit betrifft nicht nur den körperlichen Bereich, sondern auch die Reinheit der Absicht. Daher war es ihm seitdem und bis zu seinem Lebensende gegeben, Gott zu schauen, denn „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9) und „in mir [ist] der Vater […] und ich [bin] im Vater […]“ (Joh 10,38).

Das Himmelreich erlangen

Die nächste Seligpreisung versichert uns, dass wenn wir uns tapfer bemühen, die Wahrheit in Mühen und Verfolgungen zu verteidigen, wir ein Recht auf den Besitz des Reiches Gottes haben: „Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 5,10). Auch der hl. Josef ging diesen Weg. Im Evangelium des hl. Matthäus finden wir die Beschreibung noch eines weiteren Ereignisses, das für den hl. Josef zur Herausforderung wurde: Er muss seine Familie retten, indem er in ein anderes Land flieht, nach Ägypten, denn der Sohn Gottes wurde vom Beginn seines Erdenlebens an verfolgt, und mit Ihm seine Familie. Auf diese Weise erfahren Jesus, Maria und Josef das Schicksal von Flüchtlingen. Sie lassen alles zurück, was menschlich betrachtet ihre Absicherung darstellte, aber sie machen sich auf, um das zu schützen, was am wertvollsten ist: das Leben.

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