2018-3 Glaube

Ein Märtyrer des Herzens

Sep 18, 2018 Maria Zboralska

Wie kann man Christus und die Kirche lieben, wenn man aufgrund einer falschen Anschuldigung als Priester mehr als sechzehn Jahre lang dem Verbot unterliegt, die hl. Messe zu feiern? „Durch Demut und Gehorsam“, antwortet Pater Dolindo Ruotolo, Autor des Gebets Jesus, sorge Du! durch sein Beispiel eines heroischen Lebens.

Der Weg zum Priestertum

Obwohl der Neapolitaner Dolindo Ruotolo (1882-1970) bereits im Alter von vier Jahren seiner Mutter erklärte, dass er Priester werden würde, wies nicht viel darauf hin, dass er im Erwachsenenalter ins Priesterseminar eintreten würde. Doch es war nicht ein Mangel an Religiosität, der diesem Plan im Wege stand – die Frömmigkeit konnte man ihm nicht absprechen –, sondern die dramatische Situation seiner Familie, die sein Schicksal beeinflusste. Der Vater, ein Despot und Geizhals, wies die Familie an, in einem baufälligen Schuppen zu wohnen und verurteilte sie damit zu permanenter Unterernährung und zu einem Leben in Lumpen. Hinzu kam psychische und körperliche Gewalt, darunter das Wecken der Kinder mitten in der Nacht, um sie zu schlagen oder in einer dunklen Kammer einzusperren. Die Lebenssituation von Dolindo änderte sich erst, als er im Alter von vierzehn Jahren in eine Schule und ein Internat kam, das von einer Missionarskongregation geleitet wurde. Damit begann sein Weg zum Priestersakrament.

„In einer Demütigung, die den Menschen zerstört, verfällt die menschliche Seele entweder in Stumpfheit, oder sie rebelliert. Das einzige Mittel ist dann Ruhe, Gehorsam, die Beibehaltung einer heiligen Würde, die nur der Herr geben kann“ (Pater Dolindo Ruotolo)

Die Jahre der Formation in der Ordensgemeinschaft bestätigten den Jüngling in seiner Überzeugung, zum Dienst für Gott berufen zu sein. Nach seinen ersten Gelübden wollte er sogar in die Mission nach China fahren, um dort sein Blut für Christus zu vergießen. Als Antwort auf seinen Wunsch hörte er die prophetischen Worte eines Visitators: „Du wirst ein Märtyrer werden, jedoch nicht des Blutes, sondern des Herzens. Du bleibst hier, und damit ist diese Angelegenheit beendet.“

Am 24. Juni 1906 kam der Tag der Priesterweihe, den der Ordensmann so herbeigesehnt hatte. „Ich fühlte mich wie ein anderer Mensch. Das Sakrament der Priesterweihe, seinen heiligen Charakter, spürte ich in einer Weise, die ich nicht mit Worten beschreiben kann“, notierte er später in seinem Tagebuch.

Eine Zeit der Prüfung

Die ersten Wochen seiner seelsorgerlichen Tätigkeit verbrachte Pater Dolindo im heimatlichen Neapel, wo er als Dozent am Priesterseminar und als Lehrer für gregorianischen Gesang arbeitete. Dann wurde er – infolge von Neid und Intrigen vonseiten seiner Kollegen – nach Taranto verlegt, um dort den neuen Direktor des Seminars zu unterstützen. Hier erfuhr er jedoch nicht nur Mobbing durch seinen Vorgesetzten (z.B. war es ihm verboten zu predigen, auch musste er erniedrigende körperliche Arbeiten im Beisein seiner Untergebenen verrichten), sondern er musste auch die schmerzliche Entdeckung der moralischen Verkommenheit der Alumnen machen. Als er die Kleriker laut ermahnte… wurde er an die nächste Einrichtung verlegt. Diesmal kam er nach Molfetta, wo er sich der Formation der dortigen Seminaristen widmete und sie innerlich stärkte: „Es war der sakramentale Jesus, der mein geistliches Leben in Molfetta aufrechterhielt. Ich habe Stunden vor Ihm verbracht, um Ihn zu bitten, dass Er selbst dieses Seminar führen möge. Ich fühlte mich zu dieser Aufgabe unfähig“, bekannte er.

„Im Leiden kann man so viel lernen, man muss diese Gelegenheit nutzen und sich in der Liebe verbessern“ (Pater Dolindo Ruotolo)

Das Jahr 1907 war für den Priester der Beginn eines wahren Kreuzwegs, der mit Unterbrechungen beinahe zwanzig Jahre lang andauerte. Es begann damit, dass man Pater Dolindo eine Sizilianerin vorstellte, die behauptete, sie erhalte übernatürliche Offenbarungen, und außerdem sei in ihren Neffen „der Heilige Geist eingefahren“. Nachdem der Priester dieser Frau die Beichte abgenommen hatte, gelangte er zu der Überzeugung, dass die Italienerin von Gott geführt wurde, wobei er gleichzeitig die Möglichkeit einer Inkarnation des Heiligen Geistes in dem Jungen ablehnte. Doch die Tatsache, dass der Priester sich nicht kategorisch von der Visionärin distanzierte, war Wasser auf die Mühlen seiner Gegner. Man begann zu erzählen, er würde Häresien verbreiten, und da sich das Heilige Offizium, das im Vatikan über die Reinheit des Glaubens wachte, für die Angelegenheit der Frau und jener Geistlichen, die sie nicht ablehnten, zu interessieren begann, kamen schwere Zeiten auf Pater Dolindo zu. Zunächst wurde er für die Zeit der Klärung dieser Geschichte des Rechts auf die Ausübung seiner priesterlichen Funktionen entledigt (darunter auch auf den Empfang der hl. Kommunion), anschließend wurde er im März 1908 infolge einer Entscheidung seiner Ordensoberen aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Die nächsten zweieinhalb Jahre hindurch unternahm er Versuche, im Vatikan Berufung einzulegen. Schließlich wurde er auf Beschluss des Apostolischen Stuhls hin in die Diözese Rossano verlegt, weiterhin jedoch mit dem Verbot belegt, die Eucharistie zu feiern.

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