2018-4 Geistiges Leben

Auf dem kleinen Lebensweg

Dez 30, 2018 Maria Zboralska

Am 19. Oktober 2017 sind 20 Jahre vergangen, seitdem Johannes Paul II. die heilige Therese vom Kinde Jesu zur Kirchenlehrerin erhob. „Der Heilige Vater tat dies, weil er wollte, dass die Kirche ihre Botschaft von der Gotteskindschaft annimmt“ – erläutert Kardinal Paul Popart. Diese Botschaft inspiriert bis heute und bringt große Früchte.

Die Heilige aus Lisieux

Obwohl die Gotteskindschaft das geistige Markenzeichen der hl. Therese (1873-1897) ist, war ihre eigene Kindheit nicht immer rosig. Schon im Alter von vier Jahren verlor sie ihre Mutter und reagierte darauf trotz der Liebe ihres Vaters und ihrer Schwestern mit emotionaler Instabilität, die bis zu ihrem 13. Lebensjahr andauerte. In dieser Zeit zog Therese zu ihrer Familie im französischen Lisieux, wo sie streng erzogen wurde. Die geistige Heilung, die Therese Weihnachten 1886 erfuhr, beendete die schwierigen Anfänge ihrer Kindheit. Von diesem Augenblick an ging sie – wie sie selbst schrieb – mit „Riesenschritten“ den Weg der Vollkommenheit.

Der Schritt des Mädchens wird immer schneller, als in ihr die Sehnsucht erwacht, ihr Leben Gott im Kloster der Karmelitinnen anzuvertrauen. Sie beschließt, die Ordensschwelle im Alter von 15 Jahren zu überschreiten, was zunächst auf den Widerstand des Klostervorstands und des örtlichen Bischofs stößt. Als sich Therese die Möglichkeit einer Audienz bei Papst Leo XIII. bietet, zögert sie nicht, diesen um sein Einverständnis zu bitten. Der Heilige Vater verweist sie an die Zuständigen in Frankreich, aber seine Worte: „Du wirst eintreten, wenn Gott dies möchte“, bringen Therese tiefen Frieden.

Die folgenden Monate des Wartens auf die endgültige Entscheidung der kirchlichen Behörden werden für die Heranwachsende zu einer Schule des Vertrauens und der Hoffnung gegen alle Widerstände des Schicksals. Sie durchlebt nämlich die schwarze Nacht des Glaubens; sie hat das Gefühl, Jesus würde schlafen und hätte sie – wie einen Ball, mit dem Er früher gespielt hat – fallen lassen. Sie nimmt jedoch diese geistigen Leiden an und „bemüht sich, in der Demut und anderen Tugenden zu wachsen und sich in den Willen des Herrn zu fügen“. Diese Übung bringt gesegnete Früchte in ihrem weiteren Leben.

„Jesus verlangt keine großen Werke, sondern nur, dass man Ihm vertraut und dankbar ist“ (hl. Therese)

Letztendlich erfüllt sich der Wunsch Thereses nach der Aufnehme eines kontemplativen Lebens mit dem Eintritt in das Kloster von Lisieux am 9. April 1888. Trotz ihres jungen Alters und vieler Schwächen erfüllt die Schwester alle Klosterpflichten und klagt nicht über Schwierigkeiten. Sie vertieft sich gleichzeitig in die Spiritualität des Karmels, indem sie besonderen Gefallen an den Schriften der hl. Großen Teresa und des hl. Johannes vom Kreuz findet. Fortschreitend in der Heiligkeit, zeichnet sich Therese durch einen Geist der Demut, der Opferbereitschaft sowie der freudigen Annahme von Leiden aus. Mit der Zeit kommt ihr der Gedanke, sich apostolisch und missionarisch zu engagieren. Und obwohl sie niemals missionarisch tätig wird, entzündet sie in den Novizinnen, die sich in ihrer Obhut befinden, eine hingebungsvolle Liebe zu Jesus. Ihnen eröffnet sie auch die Grundsätze der Gotteskindschaft – den sogenannten kleinen Weg, für den sich später die Welt so begeistern wird. Sie stellt die Liebe in das Zentrum der Spiritualität und bringt sich selbst der barmherzigen Liebe Gottes als Opfer dar, was sie schnell zur Begegnung mit dem Bräutigam heranreifen lässt. Es bleibt ihr nicht viel Zeit, denn die von Krankheit gezeichnete Ordensschwester stirbt am 30. September 1897 im Alter von nur 24 Jahren.

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