2018-4 Geschichte

Die protestantische Reformation: ein Resümee

Dez 29, 2018 Grzegorz Kucharczyk

Um den Artikelzyklus zur protestantischen Reformation abzuschließen, lohnt es sich, die wichtigsten Folgen, die Martin Luthers Erscheinen im Jahr 1517 nach sich gezogen hat, zu resümieren.

Die Reformation: falsche Dichotomien

Papst Benedikt XVI. sagte, die Epoche der Moderne, die mit der Reformation begann und sich mit der Aufklärung fortsetzte, sei durch „falsche Dichotomien“ gekennzeichnet, also durch eine falsche Gegenüberstellung von Dingen, die nicht voneinander getrennt werden sollten. Dabei geht es zum Beispiel um die Gegenüberstellung von Wissenschaft und Glauben oder von Wahrheit und Freiheit.

Die protestantische Reformation eröffnete die Epoche dieser falschen Gegenüberstellungen. Die Lehre Martin Luthers und seiner Nachfolger stellte den Glauben den Werken gegenüber, die Heilige Schrift der Tradition, und sogar Christus seiner Braut, also der Kirche. Was das letztgenannte Problem betrifft, so lässt sich sagen, dass Martin Luther der Vater der heute so modernen Redensart ist: „Christus – ja, Kirche – nein.“ Denken wir daran, dass das Neue der protestantischen Reformation darin bestand, die Kirche als solche radikal abzulehnen. Hier ging es nicht darum, dass Menschen der Kirche – angefangen bei einigen Renaissancepäpsten – einen unmoralischen Lebensstil pflegten, dass in manchen Klostergemeinschaften die Disziplin verfiel (was übrigens ein perfekter Treibstoff für die schnelle Verbreitung der Reformation in ihrer Anfangsphase war). Nein: Luther und andere „Reformatoren“ verwarfen die Funktion der Kirche selbst als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, ganz unabhängig von der moralischen Kondition der Kirchenleute. Deswegen auch lehnte Martin Luther mit beleidigenden Worten die an ihn gerichtete Einladung zur Teilnahme am Konzil von Trient (das 1545 begann) ab, welches das große Werk einer „authentischen Reform der Kirche“ (hl. Johannes Paul II.) mit sich brachte. Erinnern wir jedoch mit dem hl. Apostel Paulus daran, dass die Kirche der Mystische Leib Christi ist. Wie also kann man Christus treu bleiben, wenn man gleichzeitig Seinen Leib ablehnt?

Das Neue der protestantischen Reformation bestand darin, die Kirche als solche radikal abzulehnen […] Die „Reformatoren“ verwarfen die Funktion der Kirche selbst als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, ganz unabhängig von der moralischen Kondition der Kirchenleute

Die Kirche ablehnen, aber ihr Werk annehmen

Die von Martin Luther forcierte Gegenüberstellung der Heiligen Schrift und der Tradition ist auch ein Beweis für den fundamentalen Widerspruch in der Lehre des Urhebers der Reformation. Man muss nämlich daran erinnern, dass die Chronologie folgendermaßen aussah: zuerst kam die Kirche, und erst danach entstand die Heilige Schrift, verstanden als Sammlung von kanonischen Büchern, also solchen, die als auf Eingebung des Heiligen Geistes entstanden anerkannt wurden. Doch wer hat diese Anerkennung durchgeführt? Es war die heilige Kirche (also die Braut Christi), die durch die Kraft der Autorität, die sie direkt vom Erlöser empfangen hat, feststellen konnte, welche Bücher kanonisch sind und welche apokryph. Vergessen wir nicht, dass das in chronologischer Hinsicht letzte Evangelium des hl. Johannes erst gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus entstand. Doch die Apostel warteten nicht, bis alle vier Evangelien redigiert waren, und noch ehe diese ihre letzte Form angenommen hatten, begannen die Apostel mit ihrer Missionstätigkeit, indem sie Christus allen Völkern verkündeten, angefangen in Jerusalem. Der Logik Martin Luthers und seiner Nachfolger entsprechend könnte man sagen, dass die Apostel irgendwelche Usurpatoren waren, weil sie die Evangelisierung ohne die Heilige Schrift in der Hand begannen. Doch für die Jünger Christi war die Tradition ebenso wichtig. Von der Komplementarität der Schrift und der Tradition schrieb schon der hl. Apostel Paulus, als er sich an die Thessalonicher wandte: „Seid also standhaft, Brüder, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief“ (2 Thess 2,15).

Es geschah im Licht der Tradition, dass in den ersten Jahrhunderten der Existenz der Kirche der Kanon der Heiligen Schrift festgelegt wurde

Es geschah im Licht der Tradition, dass in den ersten Jahrhunderten der Existenz der Kirche der Kanon der Heiligen Schrift festgelegt wurde. Er wurde nicht etwa durch eine einzige Person festgelegt, durch einen einzelnen Menschen, der keinen Hehl aus seinem Stolz und seiner Arroganz machte (Luther), indem er willkürlich bestimmte, welche Bücher der Heiligen Schrift „Stroh“ seien (nicht authentisch, da seinen Ansichten widersprechend), und welche die richtigen (wenn auch einer entsprechenden Bearbeitung durch „Korrekturen“ bei der Übersetzung ins Deutsche unterworfen; vgl. die Übersetzung des Römerbriefs des hl. Apostels Paulus in Luthers Ausführung).

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