2017-3 Jugend

Seid wie Frassati!

Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt, aber dies genügte ihm, um heilig zu werden. Johannes Paul II. sprach ihn 1990 selig und nannte ihn ein Vorbild zum Nachahmen für die Jugend.

Als er über Pier Giorgio sprach, sagte der Papst: „Auch ich habe in meiner Jugend den wohltuenden Einfluss seines Vorbilds erfahren und war als Student beeindruckt von der Kraft seines christlichen Zeugnisses.“ Wer war dieser Heilige, der dem jungen Karol Wojtyla als Inspiration diente?

„Vielleicht hat ihn der Herr Jesus zu uns geschickt?“

Pier Giorgio Frassati wurde am 6. April 1901 in Turin geboren.

Seine Mutter war eine begabte Malerin, sein Vater, Alfredo, kam aus einer Familie, die der Intelligenz angehörte; er gründete die Zeitschrift „La Stampa“, die schon bald zu einer der meistgelesenen Zeitungen in Italien wurde.

Pier Giorgio dachte nicht einen Augenblick daran, was andere über ihn sagen könnten; in seinem ganzen Leben wandte er nur eine Regel an: Was wird Gott über mich denken?

Schon als Kind verteidigte Pier jene, denen ein Unrecht geschah. Er wurde wütend, wenn seine Altersgenossen oder seine Schwester jemanden ungerecht behandelten. Als Pier Giorgio vier Jahre alt war, klingelte eine Bettlerin mit einem barfüßigen Kind auf dem Arm an der Haustür. Als er das sah, zog der Junge schnell seine Schuhe und Strümpfe aus, gab sie der Frau und machte eilig die Tür zu, damit niemand von den Hausbewohnern ihn daran hindern konnte, diese gute Tat auszuführen.

Ein andermal kam ein in Lumpen gekleideter Armer zu ihnen. Er sagte, er habe Hunger, und bat um einige Lira. Der Vater von Pier Giorgio bemerkte, dass der Mann betrunken war, also gab er dem Armen nichts und rief ihm noch einige bittere Worte hinterher. Da brach der junge Frassati, der Zeuge dieser Situation wurde, in Weinen aus, lief zu seiner Mutter und rief: „Mama, ein hungriger Mensch ist gekommen, und Papa hat ihm nichts zu essen gegeben!“ Und er fügte noch bekümmert hinzu: „Vielleicht hat ihn der Herr Jesus zu uns geschickt?“ Die Mutter sagte zu ihrem Sohn: „Lauf ihm hinterher, bring ihn zu uns, wir geben ihm zu essen.“

„Er ist der König der Könige“

Im Juni 1911 gingen Pier und seine ein Jahr jüngere Schwester Luciana zur ersten heiligen Kommunion. Der Priester, der die Kinder auf den Empfang dieses Sakramentes vorbereitete, erinnerte sich: „Mehrere Male bat mich Pier extra, ihm etwas vom Herrn Jesus zu erzählen. Während er zuhörte, strahlte er vor Freude, und immer wieder stieß er aus: »Wie ist das schön!« Oder, je nach dem Inhalt des Erzählten, wurde sein Gesicht auch von Traurigkeit überschattet, und aus seinen Augen flossen große Tränen, deren er sich nicht schämte und die ihm auch keineswegs peinlich waren.“

„Man konnte vielleicht die Nächstenliebe, die Frömmigkeit und Intelligenz von Pier Giorgio übersehen, aber seine Reinheit sprang selbst dem unaufmerksamsten Beobachter geradezu ins Auge“ (Luciana Frassati)

Pier erlebte die erste Begegnung mit Gott sehr feierlich. Als eines Tages der Priester mit dem Allerheiligsten Sakrament durch die Kapelle ging und eine der Nonnen sagte: „Da geht unser Herr an uns vorbei, knien wir uns nieder, wie es sich vor einem König gehört“, rief Pier laut: „Er ist der König der Könige!“

Eine raue Erziehung

Der Vater des Jungen war davon überzeugt, dass Pier eines Tages nach ihm die Leitung der „La Stampa“ übernehmen würde. Als sich jedoch später herausstellte, dass sein Sohn auf diesem Gebiet nur wenig Talent besaß, begann ihn der enttäuschte Vater sehr trocken zu behandeln und demütigte ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Auch die Mutter erzog die Kinder sehr streng; es fehlte ihr an zärtlicher, mütterlicher Liebe. Wenn Pier zu spät zum Mittagessen kam, sagte sie: „Ja ja, immer das Gleiche… Der Kopf in den Wolken, an die Messe denkt er immer, aber daran, pünktlich zu Tisch zu kommen, das nicht…“

Sein Elternhaus gab Pier nichts, was seinen Glauben hätte fördern können. Als ihn der Vater eines Abends kniend neben seinem Bett vorfand, den Rosenkranz in der Hand, reagierte er nicht, aber später gab er seiner Unzufriedenheit Ausdruck, indem er zum Pfarrer sagte: „Was haben Sie bloß aus meinem Sohn gemacht?“

Pier war seinen Eltern jedoch nicht nur bedingungslos gehorsam, sondern er liebte sie auch so, wie sie waren. Geduldig ertrug er die strenge Behandlung, und obwohl er unablässig kritisiert wurde, nahm er dies demütig an und begegnete seinen Eltern immer mit großem Respekt und Liebe. Er litt sehr darunter, dass sein Vater ungläubig war, daher betete er ohne Unterlass für ihn.

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